Die 10 häufigsten Fragen rund um den deutschen Mittelstand

Im Folgenden finden Sie Antworten auf Fragen, die den Wissenschaftlern des IfM Bonn immer wieder gestellt werden.

  • Deutscher Mittelstand

    Wer gehört zum deutschen Mittelstand?

    Wer gehört zum deutschen Mittelstand?

    Der deutsche Mittelstand wird in der Öffentlichkeit gerne auf die mittelgroßen Industrieunternehmen reduziert. Tatsächlich setzt er sich aber aus ganz unterschiedlichen Unternehmen zusammen: Die Angehörigen der Freien Berufe und Soloselbstständige gehören ebenso dazu wie unabhängig agierende Handwerksbetriebe, hochtechnologisierte Produzenten von Spezialserien und die eigentümer- und familiengeführten Unternehmen.

    Ausschlaggebend für die Zugehörigkeit zum Mittelstand ist die Einheit von Eigentum und Leitung. Die Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die einen rein statistisch abgegrenzten Teil der Gesamtwirtschaft darstellen, erfüllt dieses Kriterium. Ausgenommen sind diejenigen kleinen und mittleren Unternehmen, die in Abhängigkeit zu einem anderen Unternehmen stehen. Zugleich fallen unter die Mittelstandsdefinition große Unternehmen, wenn sie sich im Eigentum von maximal zwei Familien befinden, die auch in der Geschäftsführung vertreten sind.

  • Erfolgsgeheimnis

    Erfolgsgeheimnis

    "German Mittelstand" gilt international als Modell für andere Volkswirtschaften. Worin besteht das Erfolgsgeheimnis des deutschen Mittelstandes?

    Der deutsche Mittelstand besitzt mehrere wesentliche Stärken. Dazu gehört vor allem, dass die Unternehmen in ihren jeweiligen Heimatregionen fest verankert sind und die Führungskräfte vor Ort nicht nur unternehmerische Aufgaben erfüllen, sondern auch engen Kontakt zu allen ihren Stakeholdern – auch meist zu einer Bank ("Hausbanksystem") – pflegen. Eine wichtige Rolle spielen aber auch die hohe Innovationsorientierung der mittelständischen Unternehmen, die enge Kooperation zu Hochschulen bzw. öffentlichen Forschungseinrichtungen sowie das duale Ausbildungssystem.

  • Unternehmensverteilung

    Unternehmensverteilung

    Wie verteilen sich die Unternehmen in Deutschland?

    Rund 3,65 Millionen Unternehmen gehören zu den kleinen und mittleren Unternehmen – das sind 99,6 % aller Unternehmen der Privatwirtschaft. Unter diesen Unternehmen stellen aktuell die kleinsten Unternehmen und die sogenannten "Solo-Selbstständigen" die größten Gruppen dar.

  • Wettbewerbsvorteile

    Wettbewerbsvorteile

    Welche Wettbewerbsvorteile besitzt der deutsche Mittelstand gegenüber kleinen und mittleren Unternehmen in anderen Ländern?

    Zu den Wettbewerbsvorteilen zählen zweifellos die Netzwerke, die sich zwischen mittelständischen und großen Unternehmen herausgebildet haben: So gibt es in verschiedenen Regionen nicht nur Zuliefercluster, sondern auch viele kleine rechtlich selbstständige Unternehmen und Freiberufler, die im Auftrag von Großunternehmen Verwaltungs-, Vertriebs- und Dienstleistungsaktivitäten erfüllen. Im Zuge von Industrie 4.0 wird sich diese Entwicklung sicherlich noch verstärken.

  • Hidden Champions

    Hidden Champions

    Wer verbirgt sich hinter den sogenannten "Hidden Champions”?

    Hinter vielen Hidden Champions (auch "Heimliche Gewinner" genannt) steht – oftmals schon seit mehreren Generationen – eine Eigentümerfamilie. Diese besitzt in der Regel nachhaltige und vertrauensvolle Beziehungen zu all ihren wichtigen Stakeholdern – gleich ob es sich um die Mitarbeiter, Zulieferer oder Kunden handelt.

    Der Erfolg der "Heimlichen Gewinner", der auch im Ausland große Beachtung findet, gründet sich auf der Strategie der Nischen-Marktführerschaft: Nach dem Motto "Think global and local" bieten sie ihren Kunden sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene hochspezialisierte Produkte an, die individuell auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind und durch kundenspezifische Dienstleistungen ergänzt werden. 

  • Geschichte des Mittelstands

    Geschichte des Mittelstands

    Seit wann gibt es den Begriff "Mittelstand"?

    Nachweisbar zum ersten Mal wurde der Begriff "Mittelstand" in Schlesien im April 1695 in einer Klageschrift der Königlichen Erbfürstentümer und Städte im Hinblick auf die Steuerbelastungen verwandt. Im 18. Jahrhundert fand das Wort dann zunehmend Eingang in die Belletristik und Philosophie. 1919 fand der Begriff dann auch eine gesetzliche Verankerung im Artikel 164 der deutschen Reichsverfassung, demzufolge der selbstständige "Mittelstand in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel, in Gesetzgebung und Verwaltung gefördert und gegen Überlastung und Aufsaugung zu schützen" sei.

  • Internationalisierungsgrad

    Internationalisierungsgrad

    Wie hoch ist der Internationalisierungsgrad im Mittelstand?

    Der Internationalisierungsgrad der kleinen und mittleren Unternehmen ist höher als vielfach gedacht: Im Zeitraum zwischen 2009 bis 2011 unterhielten 37% der deutschen Mittelständler direkte Auslandskontakte. Zukünftig plant gut jedes zweite der bereits international aktiven Unternehmen, seine derzeitigen Auslandsaktivitäten noch auszubauen. Zudem können sich fast 20% aller KMU eine erstmalige Aufnahme direkter Auslandsaktivitäten vorstellen.

    Die KMU sind dabei vor allem mit Im- und Exportaktivitäten sowie mit dem Angebot von Vertriebs- und Serviceleistungen auf den ausländischen Märkten präsent. Deutlich seltener als Großunternehmen unterhalten sie hingegen eigene Produktions- oder Vertriebsniederlassungen im Ausland.

  • Wirtschaftsstandort Deutschland

    Wirtschaftsstandort Deutschland

    Welche Bedeutung hat der Mittelstand für den Wirtschaftsstandort Deutschland?

    Die volkswirtschaftliche Bedeutung des deutschen Mittelstands für die Beschäftigung ist hoch. So stellen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die zumeist Familienunternehmen sind, den Großteil der Arbeitsplätze in Deutschland und tragen maßgeblich zur Flexibilität der Wirtschaft bei. Dies belegen auch die Zahlen des Unternehmensregisters aus dem Jahre 2012: Zwar lag der Anteil der KMU am Umsatz nur bei 35,3% – der Anteil der KMU an der Beschäftigung lag jedoch bei 59,4%.

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    Einen besonders hohen Beschäftigungsbeitrag leisteten die Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und bis zu 2 Millionen € Umsatz.

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  • Stärken des Wirtschaftsstandorts

    Stärken des Wirtschaftstandorts

    Was sind die Stärken des Wirtschaftsstandorts Deutschlands aus Sicht der Mittelständler?

    Das ist einmal der Standort Deutschland: Unabhängig von Unternehmensgröße und Exportorientierung beurteilten Ende 2013 beispielsweise fast vier von fünf mittelständischen Industrieunternehmen den Wirtschaftsstandort Deutschland aktuell als "attraktiv" – und daher mit ‚gut’ oder ‚sehr gut’. Zweitens ist es das gute Image, das die Marke "Made in Germany" weltweit genießt. 

    Ebenso sprechen auch die infrastrukturellen Bedingungen aus Sicht der deutschen industriellen Mittelständler für den Standort Deutschland. Jeweils rund zwei Drittel bewerten die Transport- und die Telekommunikationsinfrastruktur in Deutschland als ‚gut’ oder ‚sehr gut’. Positiv werden zudem das Innovationsklima und die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen beurteilt. 

    zur BDI-Studie

  • Herausforderungen für den Mittelstand

    Herausforderungen für den Mittelstand

    Wo liegen  mittelfristig die größten Herausforderungen für den Mittelstand in Deutschland?

    Neue Technologien, demografische Entwicklungen, eine zunehmende Tertiärisierung und Internationalisierung stellen die Unternehmen vor immer neue Herausforderungen, die sie nur mit entsprechend aus- und weitergebildetem Personal bewältigen können. Ein Dauerthema bleiben aber auch die Preise für Energie und Rohstoffe: Dabei macht den industriellen Unternehmen weniger die geologische Verfügbarkeit Sorgen, sondern die weltweit steigende Nachfrage und die politisch oft instabile Lage in den rohstoffreichen Ländern.

    Doch auch das Thema "Industrie 4.0" ist für den Mittelstand bedeutsam: So bieten sich besonders für kleine und mittlere Unternehmen Chancen, deren Geschäftserfolg bereits in der Vergangenheit in der individuellen Fertigung lag. Allerdings müssen sie die Herausforderungen, die mit Industrie 4.0 verbunden sind (z. B. geeignetes Geschäftsmodell, Gestaltung der Innovationsprozesse, Weiterbildung, interne Organisation) offensiv angehen.