Institut für
Mittelstandsforschung
Bonn

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Arbeitsplatzdynamik und nachhaltige Beschäftigungswirkungen in KMU

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Eine empirische Überprüfung der Mittelstandshypothese auf Basis des Umsatzsteuerpanels für die Jahre 2001 bis 2004

Ausgangslage/Problemstellung

Kleine und mittlere Unternehmen werden häufig als Jobmotor bezeichnet. Ausgangspunkt der als Mittelstandshypothese verallgemeinerten Ansicht, dass kleine und mittlere Unternehmen eine größere Beschäftigungsdynamik als Großunternehmen aufweisen, war die Studie von Birch. In Deutschland konnte die Frage, welchen Beitrag KMU im Vergleich zu Großunternehmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen leisten, auf Grund unzureichender Datenlage bisher nicht angemessen empirisch überprüft werden. Untersuchungen auf Basis von Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes ergaben Hinweise, dass die Mittelstandshypothese eher nicht bejaht werden kann (z.B. WAGNER 2007). Zu ähnlichen Ergebnissen gelangte auch das RWI bei seinen Analysen auf Betriebs- und Unternehmensebene (RWI 2007). Dagegen steht die Analyse der KfW, die belegt, dass die Unternehmensgröße sehr wohl Einfluss auf die Beschäftigungsdynamik besitzt, ebenso wie bestimmte Strukturvariablen (Unternehmensalter, Branchenzugehörigkeit) und operative bzw. strategische Variablen (Ertragslage, Absatzerwartungen, Entwicklung des Kapitalstocks, Investitionsziele) (KfW-Mittelstandspanel 2006). Das IfM Bonn hat auf Basis der amtlichen Statistik Schätzungen zum Beschäftigungsbeitrag vorgenommen, die besagen, dass der Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen an der Beschäftigung seit 2003 gestiegen ist. Es wird ferner gezeigt, dass KMU eine Stabilisierungsfunktion auf dem Arbeitsmarkt ausüben, da sie in Abschwungphasen nicht in so starkem Maße wie Großunternehmen Beschäftigung reduzieren.

All diese Aussagen basieren auf einer Nettobetrachtung. Der Vergleich unterschiedlicher Bestände lässt jedoch keine gesicherten Schlussfolgerungen über das Ausmaß der im Hintergrund stehenden Arbeitsplatzdynamik zu. So kann sich hinter einer eher stagnierenden Gesamtbeschäftigung im Extremfall ein Arbeitsmarkt verbergen, auf dem weder Neueinstellungen noch Entlassungen vorgenommen werden. Andererseits kann aber auch eine Situation vorliegen, in der Neueinstellungen in erheblichem Umfang durch Arbeitskräftefreisetzungen in derselben Größenordnung annähernd kompensiert werden. Beide Arbeitsmarktsituationen sind im Ergebnis identisch, unterscheiden sich jedoch grundlegend im Hinblick auf die Beschäftigungsdynamik und somit den dort stattfindenden Strukturwandel. Um festzustellen, wie viele Beschäftigungsverhältnisse insgesamt wo neu geschaffen wurden und wie viele insgesamt verloren gegangen sind, bedarf es also einer so genannten Brutto-Rechnung.

Ziele des Projekts

Auf Basis des zum Ende des Jahres 2007 für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung stehenden Umsatzsteuerpanels wird es möglich, Bruttorechnungen zum Beschäftigungsaufbau und -abbau in Unternehmen vorzunehmen. Das IfM Bonn strebt an, als Pionier das Umsatzsteuerpanel für die Überprüfung der Mittelstandshypothese zu nutzen. Damit wird der Grundstein gelegt für eine kontinuierliche Beobachtung der langfristigen Beschäftigungsdynamik von KMU in Abhängigkeit von Konjunkturzyklen und Strukturveränderungen.

Das Forschungsvorhaben hat die unternehmerische Reallokation des Produktionsfaktors Arbeit zum Gegenstand. Es wird Aufschluss geben über das Ausmaß und die Veränderung der Beschäftigung, ihre Struktur und die zeitliche Entwicklung. Zugleich wird es Auskunft geben über die Bedeutung verschiedener Einflussfaktoren auf die Bereitstellung und den Abbau von Arbeitsplätzen. Überdies wird das Forschungsvorhaben Antworten auf folgende Fragen geben: Was unterscheidet Unternehmenstypen mit hoher Arbeitsplatzschaffung bzw. niedrigem Arbeitsplatzabbau von solchen, die nur in geringem Maße neue Stellen schaffen und/oder zahlreiche Arbeitsplätze abbauen. Welche Bedeutung kommt Unternehmenseintritten und -austritten für die Beschäftigungsdynamik zu und welchen Anteil an den Unternehmen und den Beschäftigten haben diese?

Schließlich ist die Dauerhaftigkeit der Arbeitsplätze im Unternehmen zu betrachten. Es kann z.B. zutreffen, dass KMU eine hohe Beschäftigungsdynamik aufweisen, die Arbeitsplätze aber keinen langfristigen Bestand haben. Ein nachhaltiger Beschäftigungseffekt liegt nur dann vor, wenn die KMU nicht nur überproportionale Arbeitsplatzzuwächse aufweisen, sondern die geschaffenen Beschäftigungsmöglichkeiten auch dauerhaft sind.

Ansprechpartner

Dr. Ljuba Haunschild
Tel.: 0228 - 72 99 7 - 29
E-Mail: haunschild@ifm-bonn.org

Eva May-Strobl
Tel.: 0228 - 72 99 7 - 23
E-Mail: may@ifm-bonn.org