Die 10 häufigsten Fragen rund um den Mittelstand in Deutschland

Im Folgenden finden Sie Antworten auf Fragen, die den Wissenschaftlern des IfM Bonn immer wieder gestellt werden.

  • Mittelstand in Deutschland

    Mittelstand in Deutschland

    Wer gehört zum Mittelstand?

    Der Mittelstand in Deutschland wird in der Öffentlichkeit gerne auf die mittelgroßen Industrieunternehmen reduziert. Tatsächlich setzt er sich aber aus ganz unterschiedlichen Unternehmen zusammen: Die Angehörigen der Freien Berufe und Soloselbstständige gehören ebenso dazu wie unabhängig agierende Handwerksbetriebe, hochtechnologisierte Produzenten von Spezialserien und die eigentümer- und familiengeführten Unternehmen.

    Ausschlaggebend für die Zugehörigkeit zum Mittelstand ist die Einheit von Eigentum und Leitung. Die Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die einen rein statistisch abgegrenzten Teil der Gesamtwirtschaft darstellen, erfüllt dieses Kriterium. Ausgenommen sind diejenigen kleinen und mittleren Unternehmen, die in Abhängigkeit zu einem anderen Unternehmen stehen. Zugleich fallen unter die Mittelstandsdefinition große Unternehmen, wenn sie sich im Eigentum von maximal zwei Familien befinden, die auch in der Geschäftsführung vertreten sind.

  • Erfolgsgeheimnis

    Erfolgsgeheimnis

    "German Mittelstand" gilt international als Modell für andere Volkswirtschaften. Worin besteht das Erfolgsgeheimnis des deutschen Mittelstandes?

    Der Mittelstand in Deutschland besitzt mehrere wesentliche Stärken. Dazu gehört vor allem, dass die Unternehmen in ihren jeweiligen Heimatregionen fest verankert sind und die Führungskräfte vor Ort nicht nur unternehmerische Aufgaben erfüllen, sondern auch engen Kontakt zu allen ihren Stakeholdern – auch meist zu einer Bank ("Hausbanksystem") – pflegen.

    In einer Studie hat das IfM Bonn die Unternehmensziele von Familienunternehmen und nicht-mittelständischen Unternehmen verglichen. Das Ergebnis: Die Angehörigen des Mittelstands sprechen denjenigen Unternehmenszielen, die gemeinhin für sie als charakteristisch gelten, eine höhere Bedeutung als Führungskräfte in nicht-mittelständischen Unternehmen zu: ihrer Unabhängigkeit sowie der Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Auch sehen sich die mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer deutlich mehr in der Verantwortung, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten als Führungskräfte in nicht-mittelständischen Unternehmen. Allerdings fällt es ihnen aufgrund ihrer Eigentums- und Führungsstruktur auch leichter als den managergeführten Unternehmen, diesen Anspruch umzusetzen.

    Eine wichtige Rolle spielen aber auch die hohe Innovationsorientierung der mittelständischen Unternehmen, die enge Kooperation zu Hochschulen bzw. öffentlichen Forschungseinrichtungen sowie das duale Ausbildungssystem.

     

  • Unternehmensverteilung

    Unternehmensverteilung

    Wie verteilen sich die Unternehmen in Deutschland?

    Rund 3,65 Millionen Unternehmen gehören zu den kleinen und mittleren Unternehmen – das sind 99,6 % aller Unternehmen der Privatwirtschaft. Unter diesen Unternehmen stellen aktuell die kleinsten Unternehmen und die sogenannten "Solo-Selbstständigen" die größten Gruppen dar.

  • Wettbewerbsvorteile

    Wettbewerbsvorteile

    Welche Wettbewerbsvorteile besitzt der deutsche Mittelstand gegenüber kleinen und mittleren Unternehmen in anderen Ländern?

    Zu den Wettbewerbsvorteilen zählen zweifellos die Netzwerke, die sich zwischen mittelständischen und großen Unternehmen herausgebildet haben: So gibt es in verschiedenen Regionen nicht nur Zuliefercluster, sondern auch viele kleine rechtlich selbstständige Unternehmen und Freiberufler, die im Auftrag von Großunternehmen Verwaltungs-, Vertriebs- und Dienstleistungsaktivitäten erfüllen. Im Zuge von Industrie 4.0 wird sich diese Entwicklung sicherlich noch verstärken.

  • Hidden Champions

    Hidden Champions

    Wer verbirgt sich hinter den sogenannten "Hidden Champions”?

    Hinter vielen Hidden Champions (auch "Heimliche Gewinner" genannt) steht – oftmals schon seit mehreren Generationen – eine Eigentümerfamilie. Die Unternehmen sind in der Regel im produzierenden Bereich tätig und nicht börsennotiert. Sie stellen technologisch hoch komplexe Produkte her und sind ambitioniert, ihre Marktanteile zu maximieren – auch international.
    Hidden Champions konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenzen, die Qualität und die kontinuierliche Verbesserung der unternehmerischen Schlüsselprozesse. Entsprechend fördern und motivieren sie auch gezielt ihre Mitarbeiter – was wiederum zu einer hohen Zufriedenheit und Loyalität der Beschäftigten zum Unternehmen führt.

    Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Hidden Champions liegt aber auch in der sogenannten "Glocalisation": Sie sind sowohl regional verwurzelt als auch gezielt auf ausländischen (Nischen-)Märkten unterwegs, wobei sie erst nach und nach in die globalen Aktivitäten hineingewachsen sind. Hierdurch konnten sie zunächst stufenweise im benachbarten Ausland Erfahrungen gewinnen, bevor sie ihre Exportaktivitäten systematisch ausdehnten. Gleichwohl halten die meisten Hidden Champions immer auch ihr inländisches Kerngeschäft fest im Blick.

  • Geschichte des Mittelstands

    Geschichte des Mittelstands

    Seit wann gibt es den Begriff "Mittelstand"?

    Nachweisbar zum ersten Mal wurde der Begriff "Mittelstand" in Schlesien im April 1695 in einer Klageschrift der Königlichen Erbfürstentümer und Städte im Hinblick auf die Steuerbelastungen verwandt. Im 18. Jahrhundert fand das Wort dann zunehmend Eingang in die Belletristik und Philosophie. 1919 fand der Begriff dann auch eine gesetzliche Verankerung im Artikel 164 der deutschen Reichsverfassung, demzufolge der selbstständige "Mittelstand in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel, in Gesetzgebung und Verwaltung gefördert und gegen Überlastung und Aufsaugung zu schützen" sei.

  • Digitale Transformation im Mittelstand

    Digitale Transformation im Mittelstand

    Verschläft der Mittelstand die Digitalisierung?

    Die digitale Transformation erfolgt im Mittelstand eher graduell und weitestgehend nach Bedarf. Dies gilt umso mehr, je kleiner die mittelständischen Unternehmen sind. Das heißt aber nicht, dass sie die Digitalisierung hierzulande "verschlafen", wie häufig in der Öffentlichkeit suggeriert wird. Bislang verwandten kleinere und mittlere Familienunternehmen vielmehr die digitalen Technologien vorrangig dafür, die unternehmensinternen Prozesse zu vereinfachen und Einsparpotenziale umzusetzen.

    Hinzu kommt, dass beispielsweise die Bewertung der digitalen Möglichkeiten ein Grundverständnis für die Technologie und die Zusammenhänge voraussetzt. Nur etwa jedes sechste kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) beschäftigt jedoch eigene Fachkräfte der Informations- und Kommunikationstechnologie. Dieser Wert für den deutschen Mittelstand entspricht zwar in etwa dem EU-Durchschnitt, liegt aber deutlich unter den Möglichkeiten von Großunternehmen, die zu 77% auf derartige Fachkräfte zurückgreifen können.

    Gleichwohl gilt es auch für die Führungskräfte in kleineren Unternehmen, regelmäßig zu prüfen, ob sie ihre Unternehmensstrategie oder sogar ihr Geschäftsmodell an die digitalen Märkte anpassen sollten. Dabei ist allerdings auch zu berücksichtigen, dass es Geschäftsmodelle gibt, für die die digitale Transformation keine oder nur eine geringe Rolle spielt.

    Eine ökonomisch sinnvolle Alternative kann eine zeitlich begrenzte Kooperation mit einem innovativen Start-up zu einer entsprechenden unternehmensinternen Lösung sein. Allerdings kooperieren aktuell noch eher größere Unternehmen mit solchen jungen Unternehmen als kleinere und mittlere. Dabei hat sich gezeigt, dass sowohl die etablierten Unternehmen als auch die Startups von einer solchen Zusammenarbeit profitieren: Während die etablierten Unternehmen durch das Start-up im besten Fall eine konkrete Lösung für ein spezielles (technisches) Problem erhalten, profitiert das Start-up vom Netzwerk der etablierten Unternehmen.

     

  • Bedeutung des Mittelstands für den Wirtschaftsstandort

    Wirtschaftsstandort Deutschland

    Warum wird der Mittelstand als eine tragende Säule der deutschen Volkswirtschaft bezeichnet?

    Bereits in der Gründungsphase tragen die mittelständischen Unternehmen zur volkswirtschaftlichen Entwicklung bei: Laut Berechnungen des IfM Bonn investieren die Gründer von jedem Euro Umsatz im Durchschnitt 66 Cent in Vorleistungen wie Einrichtungsgegenstände, Betriebsmittel und Produktionsanlagen.

    Aktuelle statistische Daten zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von kleinen und mittleren Unternehmen finden Sie hier.

  • Stärken des Wirtschaftsstandorts

    Stärken des Wirtschaftstandorts

    Wie attraktiv ist Deutschland als Standort für mittelständische Unternehmen?

    Deutschland belegt weiterhin einen Spitzenplatz bei den allgemeinen Standortfaktoren. Dazu zählt beispielsweise das Duale Ausbildungssystem oder das geringe Korruptionsniveau.

    Unbestritten stellt auch das Label "Made in Germany" immer noch einen Standortfaktor dar, da es für qualitativ hochwertige, innovative und zuverlässige Produkte steht. Nicht umsonst finden sich in Deutschland rund 50% aller Hidden Champions – Unternehmen also, die Weltmarktführer in bestimmten Nischen sind. Zum Vergleich: In den USA liegt der Anteil der Hidden Champions nur bei 14%, in Japan bei 8% und in Österreich sowie in der Schweiz nur bei 4%.

     

  • Herausforderungen für den Mittelstand

    Herausforderungen für den Mittelstand

    Wo liegen  mittelfristig die größten Herausforderungen für den Mittelstand in Deutschland?

    Neue Technologien, demografische Entwicklungen, eine zunehmende Tertiärisierung und Internationalisierung stellen die Unternehmen vor immer neue Herausforderungen, die sie nur mit entsprechend aus- und weitergebildetem Personal bewältigen können. Ein Dauerthema bleiben aber auch die Preise für Energie und Rohstoffe: Dabei macht den industriellen Unternehmen weniger die geologische Verfügbarkeit Sorgen, sondern die weltweit steigende Nachfrage und die politisch oft instabile Lage in den rohstoffreichen Ländern.

    Doch auch das Thema "Industrie 4.0" ist für den Mittelstand bedeutsam: So bieten sich besonders für kleine und mittlere Unternehmen Chancen, deren Geschäftserfolg bereits in der Vergangenheit in der individuellen Fertigung lag. Allerdings müssen sie die Herausforderungen, die mit Industrie 4.0 verbunden sind (z. B. geeignetes Geschäftsmodell, Gestaltung der Innovationsprozesse, Weiterbildung, interne Organisation) offensiv angehen.