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Der Forschungsnewsletter zum Mittelstand

– ein kostenloser Service des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Ausgabe 1/2016 / 18. März 2016

Inhalt

  ➜ Editorial
  ➜ Eigenkapitalquote: KMU übertreffen erstmals Großunternehmen
  ➜ Wie junge Unternehmen leichter Fachkräfte finden
  ➜ Wenig Forschungstransfer von den Hochschulen in die Wirtschaft
  ➜ Gute Noten für die KMU in Westfalen
  ➜ Jetzt online: Der aktualisierte Flyer des IfM Bonn
  ➜ Aktualisierte IfM-Statistiken auf einen Blick
  ➜ Aktuelles aus dem IfM Bonn

Editorial

Foto Prof. Dr. Welter Liebe Newsletter-Abonnenten,

die kleinen und mittleren Unternehmen sind aktuell finanziell gut aufgestellt. "Kein Wun­der" wird viel­leicht so mancher von Ihnen denken, schließlich befinden wir uns seit einiger Zeit in einer absolu­ten Niedrig­zinsphase. Eine Studie des IfM Bonn und des Lehrstuhls Fi­nanz- und Bankma­nagement der Universität Siegen hat nun jedoch aufgezeigt, dass die KMU zwar prinzipi­ell unter allen Finanzie­rungsinstru­menten wei­terhin Bank­kredite bevor­zugen, in jüngster Zeit jedoch vor­rangig ihre Unterneh­mensgewinne zur Innenfi­nanzierung verwandten. Die Hinter­gründe hierfür finden Sie im Beitrag "Ei­genkapital­quote: KMU übertreffen erstmals Großunter­nehmen" darge­stellt.

Strategische Initiativen sind indes noch erforderlich, um den Innovations­transfer zwischen Hochschule und Wirt­schaft zu ver­bessern. Auch hierzu finden Sie ak­tuelle For­schungser­gebnisse un­serer Wis­senschaftler.

Viele interessante Einblicke in die Arbeit des IfM Bonn wünscht Ihnen

Prof. Dr. Friederike Welter
Präsidentin des IfM Bonn

Eigenkapitalquote: KMU übertreffen erstmals Großunternehmen

Die strenge­ren Vorgaben durch Basel II und III, die Veränderun­gen des kon­junkturellen Umfelds so­wie die Nied­rigzinspolitik haben dazu geführt, dass die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapital­quote stärker erhöht haben als die Groß­unternehmen. Zugleich san­ken die Ver­bindlichkeiten der KMU ge­genüber den Kreditinstitu­ten im Ver­hältnis zur Bi­lanzsumme. Nur Klein­stunterneh­men besitzen weiterhin − trotz hoher Zuwachsraten − eine gerin­gere Eigen­kapitalaus­stattung als Großunter­nehmen. Zu diesem Er­gebnis kommt die Studie "Finanzie­rungsstruktu­ren und -strategien kleiner und mittlerer Un­ternehmen: Eine Be­standsauf­nahme", die das IfM Bonn gemeinsam mit dem Sie­gener Lehr­stuhl für Fi­nanz- und Bankma­nagement er­stellt hat.

Bankkredit bleibt erste Wahl

Das For­scherteam erwartet, dass für langfristige Investitionen beispielswei­se im Bereich der Digitali­sierung die Eigenkapital­ausstattung noch an Be­deutung ge­winnen wird. Der Grund: IT-Technologien sind auf­grund dessen, dass es sich zumeist um unter­nehmensspe­zifische Lö­sungen han­delt, aber auch auf­grund ihres schnellen Wertverlusts zur Besiche­rung von Bankkrediten wenig geeig­net sind. Gleichwohl zeichnet sich ab, dass trotz alternativer Finanzie­rungsquellen Bankkredite weiterhin das bevorzugte Instrument bleiben wer­den.

Eigenkapitalquoten nach Unternehmensgröße

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Wie junge Unternehmen leichter Fachkräfte finden

Jungen Un­ternehmen fällt es auf Grund ihrer fehlenden Bekanntheit schwer, Fachkräfte zu rekrutieren. Dies zeigt ei­ne Befragung auf der Basis des IfM-Gründerpanels. Wer­ben sie je­doch gezielt mit attraktiven Arbeitsplatz­merkmalen wie bei­spielsweise überdurch­schnittlichen Löhnen oder kreativen Tä­tigkeiten, ge­lingt es ihnen leichter, quali­fizierte Be­werber für sich zu inter­essieren.

Neue Rekrutierungswege gehen

Häufig greifen junge Unter­nehmen bei der Personal­suche auf persönliche Empfehlun­gen zurück oder suchen Mitarbeiter über die sozi­alen Netz­werke. Chan­cenreich wäre aber auch, bei­spiels­wei­se den Kon­takt zu Innun­gen zu pfle­gen, zukünfti­ge Hoch­schulabsol­venten früh­zeitig anzu­sprechen und Fachkräfte aus dem Aus­land zu rekru­tieren.

Die Studie "Attraktivität junger Unternehmen für Fachkräfte" finden Sie hier.

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Wenig Forschungstransfer von den Hochschulen in die Wirtschaft

Trotz zahlrei­cher Unter­stützungsan­gebote bleibt ein großer Teil von Inno­vationen aus der For­schungstätig­keit an deut­schen Hoch­schulen noch kommerziell ungenutzt. Zu diesem Er­gebnis kommt eine Onli­ne-Befragung von 7.317 Wissenschaftlern verschie­dener Hierar­chiestufen und Fachrich­tungen an 73 zufällig aus­gewählten deutschen Hochschulen. Am häufigs­ten kommer­zialisieren vollzeitbe­schäftigte Wissenschaftler, die multi­disziplinäre oder ange­wandte For­schung be­treiben und daneben noch einer Selbststän­digkeit nach­gehen, Erfin­dungen.

Praxiskontakte hilfreich

Die Ergebnis­se der Studie "Verwertung der Innovati­onen von an Hochschulen tätigen Wis­senschaftle­rinnen und Wissenschaftlern" weisen darauf hin, dass es den Innovations­transfer be­günstigen würde, wenn bei der Beru­fung von Wis­senschaftlern auch auf vor­handene Kon­takte zu au­ßeruniversitä­ren Einrich­tungen und Erfahrungen mit Wirt­schaftspart­nern geachtet würde. Auch dürften sich Mento­ring-Programme und ver­netzte For­schungsver­bünde positiv auf die Inno­vationsbereit­schaft von Wissenschaftlern an Hoch­schulen aus­wirken.

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Gute Noten für die KMU in Westfalen

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Westfalen weisen eine höhere volkswirt­schaftliche Bedeutung auf als bei­spielsweise die KMU in anderen nord­rhein-westfälischen Regio­nen: So arbei­ten zwei von drei sozial­versiche­rungspflichti­gen Beschäf­tigten in west­fälischen KMU – im Rheinland hingegen nur jeder zweite.

Auch beim Umsatz herausragend

Rund ein Drit­tel aller Um­sätze in Deutschland und in Nord­rhein-Westfalen wird von KMU erwirt­schaftet. Deutlich bes­ser stellt sich das Bild für Westfalen dar: Hier steuern die KMU knapp die Hälfte zum Umsatz aller Unter­nehmen bei. Die detaillier­ten Ergebnis­se finden Sie hier.

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Jetzt online: Der aktualisierte Flyer des IfM Bonn

Jetzt online: Der aktualisierte Flyer des IfM Bonn

Wer zählt zum Mittel­stand? Welche volks­wirt­schaftli­che Be­deutung be­sitz­en die kleinen und mittle­ren Un­terneh­men − und was zeichnet sie aktuell aus? Wie stellt sich die wirt­schaftli­che Si­tuation dar und wie re­agieren die Un­terneh­men da­rauf?

Die wich­tigsten Daten und Fakten zum deut­schen Mittel­stand finden Sie jetzt im ak­tuali­sierten Flyer des IfM Bonn.

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Aktualisierte IfM-Statistiken auf einen Blick

Mit den Stu­dien "Mittel­stand im Wandel" und "Mittelstand zwischen Fakten und Gefühl" hat das IfM Bonn grundlegende Erkenntnisse sowohl für die Mittelstands­forschung als auch für die Wirtschafts­politik erarbei­tet. Infolge­dessen sind in den ver­gangenen Monaten auf der Homepa­ge des IfM Bonn die De­finitionen (Mit­telstandsdefi­nition, KMU-Definition und Fami­lienunterneh­men-Definition) angepasst worden.

Zudem wurden folgende Statistiken unter "Mittelstand im Überblick" auf der Homepage aktualisiert:

die volkswirtschaftliche Bedeutung der KMU
die Kennzahlen der KMU nach Definition des IfM Bonn.

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Vorschau:

Im Forschungs-Newsletter 2/2016 können Sie u. a. lesen,

welche Faktoren die schnell wachsen­den Fa­milien­unternehmen aus­zeich­nen,
welchen Ein­fluss die aktuell­en politisch­en Ereig­nisse auf die wirt­schaftliche Ent­wicklung der größten Familien­unternehmen haben und
welche Rolle die Selbstständigkeit in der Lebens­planung von Erwerbs­tätigen einnimmt.

Der Newsletter wird am 30. Juni 2016 versandt.

Aktuelles aus dem IfM Bonn

Externe Veröffentlichungen von IfM-Wissenschaftlern
Wie sich Fa­milienphasen in die Er­werbsbiogra­fie von selbstständi­gen Frauen einfügen, er­läuterte Dr. Rosemarie Kay in ihrem Beitrag "Selbststän­digkeit im Er­werbsverlauf von Frauen" für die Veröf­fentlichung "Mutterschutz für Selbst­ständige. Umsetzungs­bedarfe und -perspektiven der EU-Richtlinie 2010/41/EU in Deutschland".

Mittelständ­lern fällt es angesichts knapper Res­sourcen nicht leicht, die technologi­sche Reife verschiedener IT-Systeme zu beurteilen und deren wirtschaftli­chen Nutzen für das Un­ternehmen einzuschät­zen. Aller­dings werden Investitionen oft auch nicht getätigt, weil es an ver­bindlichen, allgemeinen Standards und Normen fehlt. Zu die­sem Ergebnis kommt die Studie "Her­ausforderun­gen von In­dustrie 4.0 für den Mittel­stand", die Dr. Christian Schröder im Auftrag der Fried­rich-Ebert-Stiftung erstellt hat.

Für den OECD-Bericht "Inclusive Entrepreneu­rship in Euro­pe. Rapid Po­licy Assess­ments of In­clusive Entre­preneurship Policies and Programmes" untersuchten Prof. Dr. Frie­derike Welter und Dr. Teita Bijedić, mit welchen Maßnahmen aktuell die Gründungs­vorhaben von Frauen in Deutschland erfolgreich unterstützt werden und auf welchen Gebieten noch Hand­lungsbedarf besteht.

Jährlich ste­hen rund 27.000 Über­gaben von Familienun­ternehmen nach Schät­zungen des IfM Bonn an. Wie diese Entwicklung einzuschät­zen ist und welche Per­spektiven sich dadurch er­geben, stellen Dr. Rosema­rie Kay und Prof. Dr. Frie­derike Welter in ihrem Bei­trag für die Buchveröf­fentlichung "Mittelstand - Motor und Zukunft der deutschen Wirtschaft" dar.

Warum kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht per se mit dem Mittel­stand gleich gesetzt wer­den können, zeigen Prof. Dr. Friederike Welter und Eva Ma­y-Strobl in ih­rem Aufsatz "KMU, Mittel­stand, Fami­lienunter­nehmen: Eine Klarstellung" anschaulich auf. Ihr Bei­trag ist in der Neuauflage von "Erfolg­reich im Schatten der Großen" er­schienen.

Die Einkünfte von Familien­unternehmen unterliegen sowohl priva­ten als auch unternehme­rischen Inte­ressen. In ih­rem Aufsatz "Keeping It in The Family: Financial Re­wards in Fa­mily Firms" untersuchen Prof. Dr. Sara Carter (Uni­versity of Strathclyde Business School) und Prof. Dr. Frie­derike Welter, welche wirt­schaftlichen und familiären Faktoren die­se Einkünfte beeinflussen. Der Beitrag ist in der Publikati­on "Family entrepreneu­rship: rethin­king the rese­arch agenda" erschienen.

Was tragen Familienun­ternehmen zur regionalen wirtschaft­lichen Ent­wicklung bei? Welchen Ein­fluss besitzt der sozi­o-räumliche und institutio­nelle Kontext auf das un­ternehmeri­sche Verhal­ten und die Leistungsfä­higkeit? Diese Fragen hat ein For­schungsteam im Einfüh­rungsartikel "Family Busi­ness and Re­gional Sci­ence: Bridging the Gap" zur Sonderaus­gabe des Journal of Family Busi­ness Strategy untersucht, dem auch Prof. Dr. Frie­derike Welter angehörte.

Die Forschungsergebnisse des IfM Bonn – (inter-)national präsent
Gemeinsam mit Wolfgang Clement (ehemaliger Bundesminis­ter und NRW-Minister­präsident), Bernd Mattes (Vorsitzender der Ge­schäftsfüh­rung der Fordwerke AG), Roland Tichy (Vor­standsvorsit­zender der Lud­wig-Erhard-Stiftung), Gernot B. Lehr (Partner in der An­waltskanzlei Redeker Sell­ner Dahs) und Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann (ehem. Direktor des IZA Instituts zur Zunkuft der Arbeit) diskutierte Prof. Dr. Frie­derike Welter Ende Februar im Bonner Universitäts­club über die "Herausforde­rungen der wissenschaft­lichen Politik­beratung".

Welchen Ein­fluss haben Berufsorien­tierungsmaß­nahmen an Schulen auf das Berufs­wahlverhalten von Jugendli­chen? Über diese Frage referierte Dr. Teita Bijedić auf der Jah­restagung der Deutschen Gesellschaft für ökonomi­sche Bildung in Hildesheim.

Auf dem Workshop "Markt- und Nutzungsana­lyse von hochbitratigen TK-Diensten für Unter­nehmen der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland" erläuterte Dr. Annette Icks, wie sich aktu­ell die Breit­bandversor­gung für die kleinen und mittleren Un­ternehmen darstellt.

Welche Aus­wirkungen der demografi­sche Wandel auf den Ge­nerations­wechsel hat, zeigte Dr. Rosemarie Kay auf der Veranstaltung "Unterneh­mensnachfol­ge als Chan­ce nutzen" Mitte März in Ahaus auf. Über die For­schungser­gebnisse des IfM Bonn zu den "Exis­tenzgründun­gen von aus­ländischen Staatsbür­gern" referier­te sie am 9. März auf dem 4. Fachforum Migranten­ökonomie in Weimar.

Auf der Sit­zung des Sächsischen Existenz­gründer Netz­werkes zeigte Peter Kran­zusch Poten­ziale für eine Stärkung der Gründungs­neigung auf. Das Netz­werk, das auf einer Partner­schaft zwi­schen den In­dustrie- und Handels­kammern und den Hand­werkskam­mern beruht, setzt sich seit 2003 im Frei­staat Sach­sen für best­mögliche Startbedin­gungen Selbstständi­ger ein.

Auf der Kon­ferenz der deutschspra­chigen For­schungszen­tren und Insti­tute für Fami­lienunter­nehmen (FI­FU) Anfang März in Sie­gen hat Susanne Schlepphorst einen ersten Einblick in die jüngsten For­schungser­gebnisse des Projektes "Determinan­ten der Ent­wicklungsver­läufe in schnell wach­senden Fami­lienunter­nehmen" ge­geben.

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