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Der Forschungsnewsletter zum Mittelstand

– ein kostenloser Service des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Ausgabe 1/2019 / 18. März 2019

Inhalt

  ➜ Editorial
  ➜ Südlich der Sahara bleibt Südafrika bevorzugter Wirtschaftspartner
  ➜ Regionale Unterschiede bei den größten Familienunternehmen
  ➜ Weniger Frauen als Männer unter den selbstständigen Höchstverdienern
  ➜ So wird aktuell die Herausforderung "Digitalisierung" gemeistert
  ➜ Aktualisierte IfM-Statistiken
  ➜ Aktuelles aus dem IfM Bonn

Editorial

Foto Prof. Dr. Welter Liebe Newsletter-Abonnenten,

Afrika gilt aufgrund seines Ressourcenreichtums und Bevöl- kerungswachstums als Zukunftskontinent – auch für die deutschen Unternehmen. Inwieweit werden jedoch die afrikanischen Staaten südlich der Sahara beispielsweise von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) als Zielregion wahrgenommen? Nach aktuellen Untersuchungen des IfM Bonn sehen sie dort bislang nur selten Marktchancen. Die Gründe hierfür können Sie im Beitrag "Südlich der Sahara bleibt Südafrika bevorzugter Wirtschaftspartner" kennenlernen.

Aber auch in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung der größten Familienunternehmen und der Selbstständigen in Deutschland finden Sie in dieser Ausgabe wieder viele interessante Informationen. Ich wünsche Ihnen spannende Einblicke in unsere aktuelle Forschungstätigkeit.

Viele Grüße sendet Ihnen

Prof. Dr. Friederike Welter
Präsidentin des IfM Bonn

Südlich der Sahara bleibt Südafrika bevorzugter Wirtschaftspartner

In 2016 exportierten rund 15.500 Unternehmen mit Sitz in Deutschland Waren in die 49 Subsahara-Staaten – darunter rund 13.000 kleine und mittlere Unternehmen. Damit kommt dem südlichen Teil Afrikas – gemessen an allen exportierenden Unternehmen in Deutschland (rund 312.000) – aktuell nur eine geringe Bedeutung als Exportregion zu. Noch weniger Bedeutung besitzt der Importhandel mit Subsahara-Afrika – sowohl im Hinblick auf die Anzahl der importierenden Unternehmen als auch auf den Wert der importierten Waren. Lediglich 3.000 KMU beziehen Waren oder Rohstoffe aus den Staaten südlich der Sahara.

Nachteile überwiegen noch

In den Staaten südlich der Sahara besteht zwar ein großer Ressourcenreichtum. Auch hat das dortige Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre die Marktchancen für ausländische Unternehmen in einzelnen Staaten wie Äthiopien verbessert. Dennoch erwirtschafteten die Subsahara-Staaten in 2017 insgesamt nur 1.700 Milliarden US-Dollar – knapp 2 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Angesichts der Tatsache, dass inzwischen rund ein Siebtel der Weltbevölkerung in dieser Region lebt, ist die Kaufkraft in vielen der dortigen Staaten noch sehr gering. Nicht zuletzt aufgrund der vergleichsweise guten Infrastrukturvoraussetzung und Absatzmöglichkeiten bleibt Südafrika weiterhin bevorzugter Wirtschaftspartner der KMU in Deutschland.

Bruttoinlandsprodukt der Subsahara-Staaten (2017)

Bruttoinlandsprodukt der Subsahara-Staaten (2017)

Quelle: Weltbank (World Development Indicators 2018).

Die Studie "Subsahara-Afrika als Zielregion außenwirtschaftlicher Aktivitäten von kleinen und mittleren Unternehmen" finden Sie hier.

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Regionale Unterschiede bei den größten Familienunternehmen

Die größten Familienunternehmen in Deutschland haben laut aktuellem Kennzahlen-Update in den vergangenen Jahren in allen Bundesländern ihr Personal erheblich aufgestockt: Insgesamt beschäftigten sie 18,2 % mehr Arbeitnehmer in 2016 als in 2011. Regional gab es jedoch deutliche Unterschiede: Am stärksten stieg die Mitarbeiterzahl in Niedersachsen und Bremen, am wenigsten in den neuen Bundesländern, Hamburg und Berlin.

Beschäftigungsentwicklung 2011-2016 (gesamt/in Prozent)

Beschäftigungsentwicklung 2011-2016 (gesamt/in Prozent)

Nettoinvestitionsquote weiterhin positiv

Im Durchschnitt wiesen die großen Familienunternehmen in den Jahren 2012 bis 2016 eine jährliche Nettoinvestitionsquote von 2,4 % auf. Gleichwohl bestehen auch bei dieser Kennzahl regionale Unterschiede: Die Unternehmen in Bayern und Niedersachsen erhöhten ihr Anlagevermögen im Verhältnis zum Umsatz besonders stark. Dagegen war die Investitionstätigkeit in Teilen Norddeutschlands und im Osten zurückhaltend: Die durchschnittlichen jährlichen Nettoinvestitionsquoten in Schleswig-Holstein (0,3 %), Hamburg (0,8 %) und den neuen Bundesländern (1,1 %) lagen sogar deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts. Im Auftrag von BDI und Deutsche Bank hat das IfM Bonn die Bilanz- und GuV-Daten der rund 4.500 größten Familienunternehmen in Deutschland ausgewertet.

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Weniger Frauen als Männer unter den selbstständigen Höchstverdienern

Der Anteil der weiblichen Selbstständigen, die in Vollerwerb (mindestens 40 Stunden pro Woche) über ein Nettoeinkommen von mehr als 3.200 Euro verfügen, lag in 2017 mit fast 25 % immer noch deutlich unter dem vergleichbaren Anteil der männlichen Selbstständigen (38 %). Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung des IfM Bonn auf Basis des Mikrozensus.

Im Vergleich zu 2010 ist bei beiden Geschlechtern der Anteil der Selbstständigen, die in die höchste Einkommensklasse fallen, zwar gestiegen. Die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern reduzierte sich dadurch jedoch nicht. Im Gegenteil: Sie weitete sich noch aus.

Monatliches Nettoeinkommen der Selbstständigen in Deutschland (Vollerwerb)

Monatliches Nettoeinkommen der Selbstständigen in Deutschland (Vollerwerb)

Eine Ursache der im Durchschnitt geringeren Einkommen von weiblichen Selbstständigen liegt darin, dass sie häufiger als ihre männlichen Pendants im Dienstleistungsbereich tätig sind. In diesem werden generell niedrigere Einkommen erzielt als im Produzierenden Gewerbe. Dies gilt auch für die Gruppe der Spitzenverdiener. Bemerkenswert ist allerdings, dass weibliche Selbstständige in der Spitzenverdienergruppe öfter einen Hochschulabschluss (46,5 %) und deutlich häufiger eine Promotion (14,2 %) besitzen als die männlichen Selbstständigen (Hochschulabschluss: 38,8 %; Promotion: 8,5 %).

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So wird aktuell die Herausforderung "Digitalisierung" gemeistert

Die digitale Transformation stellt die Unternehmensführung in den mittelständischen Unternehmen vor neue Herausforderungen und Aufgaben. Aktuell lassen sich abhängig von der Unternehmensgröße, der Eigentümer- bzw. Führungsstruktur und dem Digitalisierungsgrad drei generelle Herangehensweisen identifizieren: In größeren managementgeführten Unternehmen, in denen die Digitalisierung bereits weit vorangeschritten ist, finden sich häufig spezialisierte Führungskräfte (z. B. Chief Digital Officer). Sie verfügen nicht nur über hohe Fach- und Methodenkompetenz, sondern haben auch die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Mitarbeiter im Fokus. Schließlich ist ihnen klar, dass die Digitalisierung in ihrem Unternehmen nur gelingt, wenn auch die Belegschaft vom Nutzen der neuen Technologien überzeugt ist.

Demgegenüber verstehen sich Inhaber von Handwerksbetrieben oftmals selbst als die Gestalter der Digitalisierung in ihrem Unternehmen – was auf ihr ausgeprägtes aufgabenorientiertes Führungsverständnis zurückzuführen ist. Sie verantworten alle Schritte der Digitalisierung im eigenen Unternehmen – von der Idee bis zur Umsetzung.

Inhaber von kleineren mittelständischen Unternehmen mit einem eher niedrigen bis mittleren Digitalisierungsgrad zeigen hingegen ein kooperatives Führungsverständnis: Sie greifen gerne auf die Fachexpertise interner und externer Fachkräfte zurück. Eine ausführliche Darstellung der unterschiedlichen Herangehensweisen finden Sie in der Studie "Digitalisierungskompetenzen in der Führungsebene im Mittelstand".

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Aktualisierte IfM-Statistiken

In den vergangenen Wochen wurden folgende Statistiken auf der Internetseite des IfM Bonn aktualisiert:

Eigenkapitalquote
Innovationen

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Vorschau:

Im Forschungs-Newsletter (2/2019) können Sie u. a. lesen,

wie die Unternehmen im Mittelstand mit der Bürokratie umgehen,
warum und in welchem Umfang Selbstständige auf staatliche Unterstützung angewiesen sind,
welche Potenziale die digitalen Technologien und die künstliche Intelligenz für die Arbeitsgestaltung bieten.

Der Newsletter wird am 14. Juni 2019 versandt.

Aktuelles aus dem IfM Bonn

Erstes SME Policy Forum in Brüssel
Kleine und mittlere Unternehmen sehen sich aktuell mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert: Eine davon ist die Digitalisierung, eine andere die Finanzierung – eine dritte Herausforderung liegt in der erhöhten Unsicherheit, die sich aus dem ungeklärten Brexit oder dem handelspolitischen Agieren der US-Regierung ergibt. Auf dem SME Policy Forum in Brüssel diskutierten Anfang Februar hochrangige Vertreter u.a. von Weltbank, OECD und EU-Kommission mit international renommierten Wirtschaftswissenschaftlern über diese Herausforderungen.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Universität Siegen und dem IfM Bonn organisiert. Sie fand in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union in Brüssel statt. Das SME Policy Forum wird zukünftig einmal pro Jahr stattfinden, um den öffentlichen Meinungsaustausch zwischen renommierten Wirtschaftsexperten und Entscheidungsträgern zu fördern.

Erfolgreiche Vortragseinreichung
Mit zwei Vorträgen sind die Wissenschaftler des IfM Bonn Anfang April auf der Jahrestagung des Instituts für Gerontologie der Universität Vechta, die zugleich die Frühjahrstagung des Arbeitskreises "Die Arbeit der Selbstständigen" ist: Sören Ivens, Dr. Siegrun Brink, Dr. Sebastian Nielen und Dr. Nadine Schlömer-Laufen stellen ihre Ergebnisse zu "Gründungserfolg und Alter der Gründungsperson" vor. Olga Suprinovič und Peter Kranzusch referieren über "Selbstständigkeit im hohen Lebensalter".

Zu Gast im IfM Bonn
Die Gig-Ökonomie funktioniert teilweise nach anderen Kriterien als der traditionelle Auftragsmarkt. Dr. Andrea Herrmann, Associate Professor in Innovation Studies an der Utrecht University/Niederlande, erläuterte Ende 2018 im Rahmen des wissenschaftlichen Forums im IfM Bonn zunächst die Unterschiede, bevor sie ihre Forschungsergebnisse mit den Wissenschaftlern diskutierte.

Zu Gast im IFM Bonn

IfM-Präsidentin auf Latest Thinking
Im Open Access Video Journal "Latest Thinking" erläutert Prof. Dr. Friederike Welter, warum es wichtig ist, die jeweiligen Kontexte in der Entrepreneurshipforschung zu berücksichtigen. Zugleich legt sie dar, weshalb die Kontextforschung in hohem Maße von der Forschungstätigkeit anderer Wissenschaftsdisziplinen profitieren kann. Die unabhängige Open Access-Plattform "Latest Thinking" stellt die aktuelle Forschungstätigkeit von Wissenschaftlern unterschiedlichster Disziplinen – von den Wirtschaftswissenschaften und Jura über die Naturwissenschaften bis hin zu Medizin und den Politikwissenschaften – vor.

Datennutzung zu Forschungszwecken
Daten, die das IfM Bonn selbst erhebt, können von Wissenschaftlern kostenfrei zu eigenen Forschungszwecken in den Institutsräumen eingesehen und verwendet werden. Eine Nutzung für gewerbliche oder sonstige Zwecke ist dagegen nicht möglich. Mehr Informationen zum Anmeldeverfahren finden Sie hier.

Neue Beiträge in der Working Paper-Reihe
In ihrem Aufsatz "SMEs' Responses to Potentially Disruptive Innovations: Does Strategic Entrepreneurship provide an Explanation?" analysieren Dr. Rosemarie Kay, Dr. Sebastian Nielen und Dr. Christian Schröder wie die kleinen und mittleren Unternehmen im Zuge der zunehmenden Digitalisierung auf die Gefahr von disruptiven Innovationen bzw. neuen Geschäftsmodelle reagieren. Dabei zeigte sich, dass rund jedes fünfte KMU proaktiv ist: Sie nehmen die neuen Entwicklungen als Geschäftschance wahr und implementieren deutlich häufiger strategische Maßnahmen, um die neuen Technologien zu nutzen.

Für den Beitrag "The German Mittelstand: Antithesis to Silicon Valley Entrepreneurship?" sind Dr. André Pahnke und Prof. Dr. Friederike Welter der Frage nachgegangen, inwieweit der Mittelstand mit den Silicon Valley-Unternehmen vergleichbar ist. Dabei zeigen sie auf, dass die mittelständischen Unternehmen durchaus auch innovativ, wettbewerbs- und wachstumsorientiert agieren – wenn auch auf andere Weise und gelegentlich weniger sichtbar als die Unternehmen des Silicon Valleys.

Externe Veröffentlichungen von IfM-Wissenschaftlern
Seit einigen Jahren gehen in Deutschland die Gründungsaktivitäten im gewerblichen Bereich zurück. Zugleich zeigen empirische Analysen, dass sich die Qualität der Gründungen wieder verbessert hat. In ihrem Beitrag "Gründungen in Deutschland – trotz Rückgangs noch kein Anlass zur Besorgnis" legt Dr. Rosemarie Kay dar, warum der Wandel im Gründungsgeschehen Ausdruck eines Normalisierungsprozesses ist. Die Veröffentlichung ist in der Reihe "WISO direkt" der Friedrich-Ebert-Stiftung erschienen.

Die Forschungsergebnisse des IfM Bonn – (inter-)national präsent
Auf der Sitzung des Mittelstandsbeirats des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie Mitte März hielt Prof. Dr. Friederike Welter den Kurzimpulsvortrag "Mittelstandspolitik weiterdenken!". Auf der Tagung "Vereintes Land drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall" des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) referierte sie Anfang März über den "Mittelstand nach der Wiedervereinigung".

Olga Suprinović hielt auf der 17th International Entrepreneurship Forum Conference in Nancy/Frankreich Mitte Dezember 2018 den Vortrag "Migrant family firms in Germany and their contribution to innnovation and labour market integration".

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