IFM Logo

Der Forschungsnewsletter zum Mittelstand

– ein kostenloser Service des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Ausgabe 2/2016 / 7. Juli 2016

Inhalt

  ➜ Editorial
  ➜ Das Erfolgsgeheimnis schnell wachsender Unternehmen
  ➜ Positives unternehmerisches Umfeld wirkt belebend
  ➜ IfM Bonn bietet jetzt alle Existenzgründungen auf einen Blick
  ➜ Aktualisierte IfM-Statistiken
  ➜ Aktuelles aus dem IfM Bonn

Editorial

Foto Prof. Dr. Welter Liebe Newsletter-Abonnenten,

ein Teil des wirt­schaftlichen Wohlergehens und der Innovationskraft in Deutschland beruht zweifellos auf den schnell wach­senden Unterneh­men. Nicht nur uns Wis­senschaftler interes­siert es daher, ob es bestimmte Charakte­ristika gibt, die schnelles Wachstum begünstigen. Einige Erkenntnisse aus der jüngsten IfM-Studie zu den sogenannten "Gazellenunterneh­men" finden Sie im nachfolgenden Bei­trag.

Prosperierend kann sich aber auch die Mittelstandspolitik auf die wirtschaftli­che Entwicklung von Unternehmen auswirken, wenn sie darauf zielt, das allgemeine un­ternehmerische Um­feld zu verbessern. Einen ersten Ein­blick, auf welche Weise dies gesche­hen kann, finden Sie im Beitrag "Positives unternehmerisches Umfeld wirkt bele­bend".

Viele neue interessante Erkenntnisse aus unserer For­schungstätigkeit und erholsame Sommer­tage wünscht Ihnen

Prof. Dr. Friederike Welter
Präsidentin des IfM Bonn

Das Erfolgsgeheimnis schnell wachsender Unternehmen

Schnell wachsende Unternehmen sind im Durchschnitt 19 Jahre alt und betrei­ben intensiv For­schung und Entwick­lung. Zudem sind sie vorrangig im Verar­beitenden Gewerbe zu finden und we­niger beispielsweise unter den Dienstleis­tern. Zu diesem Er­gebnis kommt die Studie "Schnell wachsende Unter­nehmen in Deutsch­land: Charakteristika und Deter­minanten ihres Wachstums", für die Dr. Susanne Schlepphorst und Dr. Nadine Schlö­mer-Laufen rund 470 Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten befragt haben.

Gemeinwohlorientierte Ziele hemmen Wachstum

Die Studienergebnisse deuten zugleich darauf hin, dass eine nachhaltige Unter­nehmenspolitik nur schwer mit schnel­lem Wachstum ver­einbar ist. So gehören Unternehmen, für die gemeinwohlorientier­te Ziele wie ökologi­sche Nachhaltigkeit und/oder gesell­schaftliches Enga­gement von hohem Stellenwert sind, deutlich seltener zur Gruppe der schnell Wachsenden als sol­che, die rein er­werbswirtschaftliche Ziele verfolgen.

Befragungsergebnis: (Sehr) Wichtige Unternehmensziele

Befragungsergebnis: (Sehr) Wichtige Unternehmensziele

zurück zum Inhaltsverzeichnis


Positives unternehmerisches Umfeld wirkt belebend

Zielen in einer Volkswirtschaft die wirtschaftspoliti­schen Maßnah­men darauf, das allgemeine unter­nehmerische Um­feld zu verbes­sern, scheint dies den individuellen Anreiz zu erhöhen, sich unter­nehmerisch zu be­tätigen. Zu diesem Ergebnis kommen die theoretischen Analysen von Prof. Dr. Frie­derike Welter, Brit­ta Levering und Eva May-Strobl. Auch könnten mehr positive Ef­fekte für die Ge­samtwirtschaft er­zielt werden, wenn die Potenziale des Mittelstands für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung her­vorgehoben − und nicht vorrangig Nachteile einer kleineren Unter­nehmensgröße ausgeglichen würden.

Mittelstandspolitik als Rahmenpolitik verstehen

Für ihre Planungssi­cherheit benötigen die mittelständi­schen Unterneh­men verlässliche politische Vorga­ben. Nur dann können sich die leitenden Füh­rungskräfte auf das unterneh­merische Kernge­schäft konzentrie­ren - und die je­weiligen Potenzia­le bestmöglich nutzen.

Die jüngste Studie des Forschungs­projekts "Mittel­standspolitik an­gesichts eines sich wandelnden Mit­telstands" finden Sie hier.

zurück zum Inhaltsverzeichnis


IfM Bonn bietet jetzt alle Existenzgründungen auf einen Blick

Die Anzahl der gewerblichen Exis­tenzgründungen sinkt seit einigen Jahren − dagegen steigt die Anzahl der Gründungen in den Freien Beru­fen stetig. Einen Gesamtüberblick über das Grün­dungsgeschehen in Deutschland bietet das IfM Bonn seit Juni auf sei­ner Homepage. Dabei wird nähe­rungsweise die Anzahl aller er­werbsfähigen Per­sonen erfasst, die im jeweiligen Ka­lenderjahr eine selbstständige Tä­tigkeit im Voller­werb aufgenom­men haben.

Bereits seit 1973 ermitteln die Wis­senschaftler des IfM Bonn regel­mäßig die Anzahl der gewerblichen Existenzgründun­gen auf Basis der Gewerbeanmel­dungen sowie seit 2013 die der Gründungen in den Freien Beru­fen sowie der Land- und Forstwirte basierend auf den Steueranmeldun­gen bei den Fi­nanzämtern.

Existenzgründungen in Deutschland nach Tätigkeitsbereichen (2015)

Existenzgründungen in Deutschland nach Tätigkeitsbereichen (2015)

zurück zum Inhaltsverzeichnis


Aktualisierte IfM-Statistiken

Folgende Statisti­ken wurden auf der Homepage ak­tualisiert:

Gründungen aus der Arbeits­losigkeit
Insolvenzen
Auslandsaktivitäten

zurück zum Inhaltsverzeichnis


Vorschau:

Im Forschungs-Newsletter 3/2016 können Sie u. a. lesen,

welche Rolle die Selbstständig­keit im Erwerbsverlauf einnimmt,
wie hoch der Stellenwert nicht­technologischer Neuerungen im Innovationsge­schehen der mit­telständischen Wirtschaft ist und
wie die indust­riellen Mittelständ­ler ihre Situation aktuell bewerten.

Der Newsletter wird am 30. September 2016 versandt.

Aktuelles aus dem IfM Bonn

Forschungserfolge für IfM-Wissenschaftlerinnen
Dr. Rosemarie Kay und Dr. Na­dine Schlö­mer-Laufen sind Mitte Juni auf der Diana Internatio­nal Research Conference in Bodø (Norwegen) mit ihrem Beitrag "Gender Diversi­ty in Top-Management Positions in Large Family and Non-Family Bu­sinesses" mit dem "Best Paper Award for Gender in Family Busi­nesses" ausge­zeichnet worden. In der Sparte "Best Paper A­ward for Young Scholars" wur­den Dr. Siegrun Brink und Dr. Kerstin Ettl (Uni­versität Siegen) mit ihrem Beitrag "It´s all about Diversity? Analysis of the Relationship between Diversity and Gender in Academic Journals" nomi­niert.

Round Table Mittelstand: Mittelstand steht Diversity und Integration positiv gegenüber
Über die Chancen, die sich aus der generellen Förde­rung von Vielfalt und der Integration von benachteilig­ten Gruppen in mittelständischen Unternehmen er­geben, diskutierte Anfang April der Round Table Mit­telstand. Demnach birgt angesichts des demografi­schen Wandels sowohl die Beschäftigung von anerkannten Flüchtlingen wirt­schaftliches Po­tenzial als auch die Unter­stützung unter­nehmerischer Tä­tigkeiten von Frauen, Personen mit Beeinträchti­gungen sowie von älteren und jungen Erwerbstätigen.

Neben Vertretern des Bundesminis­teriums für Wirt­schaft und Energie und des nord­rhein-westfälischen Wirtschaftsmi­nisteriums gehör­ten dem Round Table Mittelstand diesmal wieder Wissenschaftler verschiedener Forschungsinstitu­te sowie Vertreter der KfW-Bank und von Mittel­standsverbänden an.

Der Round Table Mittelstand war im November 2014 vom IfM Bonn neu initiiert worden, um den Dialog zwi­schen der Mittel­standsforschung, der mittelständi­schen Wirtschaft und der Mittel­standspolitik zu fördern. Ziel ist es, aktuelle For­schungsergebnis­se auszutauschen und daraus Hand­lungsempfehlun­gen für die Mittel­standspolitik abzu­leiten.

Ehemalige EU-Kommissarin zu Gast im IfM Bonn
Mitte April besuch­te die ehemalige griechische Minis­terin und frühere EU-Beschäftigungskommissarin An­na Diamantop­oulou das IfM Bonn, um mit Prä­sidentin Prof. Dr. Friederike Welter u. a. über die Be­schäftigungschan­cen von Migranten im deutschen Mit­telstand zu spre­chen. Die griechi­sche Politikerin verbringt aktuell als Richard von Weizsäcker Fellow einen mehrmona­tigen Arbeitsauf­enthalt an der Ro­bert Bosch Academy in Berlin. Ihr besonderes In­teresse gilt der Reform sozialer Sicherungssyste­me in föderalen Staaten.

[Grafik konnte nicht geladen werden.]

Siegener Professoren diskutierten mit IfM-Wissenschaftlern
Prof. Dr. Günter W. Beck erforscht aktuell am Siege­ner Lehrstuhl "Eu­ropean Macroeco­nomics Studies", inwiefern sich die Hausbank-Präferenz von kleinen und mittle­ren Unternehmen auf die Bankenfili­allandschaft aus­wirkt. Ende Mai diskutierte er mit den Wissenschaft­lern des IfM Bonn und Prof. Dr. Se­bastian G. Kessing (Universität Sie­gen/Lehrstuhl Fi­nanzwissenschaft mit europäischem Schwerpunkt) sei­ne ersten Ergeb­nisse.

[Grafik konnte nicht geladen werden.]

Dissertation zeigt Wege zu mehr Selbstständigkeit auf
Über die Frage, wie zukünftig die prognostizierte Stagnation bei den Gründungen an­gesichts des de­mografischen Wandels gemildert werden kann, ver­fasste IfM-Wissenschaftlerin Dr. Susanne Schlepphorst ihre Dissertation "Des­tination: self-employment". Ihren Untersu­chungen zufolge scheinen umfas­sende Kenntnisse über die typischen Gründungsmerk­male nicht nur die Sensibilität für die unternehmerische Tätigkeit zu erhö­hen, sondern auch gründungsaffine Personen wie Re­patriates in erhöh­tem Maße dazu zu bewegen, ihre Ambitionen umzu­setzen, sich selbstständig zu machen.

Externe Veröffentlichungen von IfM-Wissenschaftlern
Einen Überblick über das eigen­verwaltete Insol­venzverfahren und die quantitative Nutzung dieses Sanierungsweges gibt Peter Kran­zusch in seinem Aufsatz für die Ju­ni-Ausgabe der "Zeitschrift für das gesamte Insol­venzrecht" (Nr. 22).

Welche "Auswir­kungen von TTIP auf den Mittel­stand" zu erwar­ten wären, zeigen Prof. Dr. Frie­derike Welter, Michael Holz und Peter Kranzusch in einem Beitrag für die Fried­rich-Ebert-Stiftung auf: Durch den Abbau struk­tureller Handels- und Investitions­hindernisse wür­den prinzipiell die Rahmenbe­dingungen für die Auslandsak­tivitäten mittel­ständischer Un­ternehmen ver­bessert und der Wettbewerb zwi­schen den Un­ternehmen ge­fördert. Gleich­wohl betonen die Autoren auch, dass mehr Transparenz über die konkreten Verhandlungs­fortschritte dazu beitragen würde, Ängste sowohl bei den Unter­nehmen als auch bei den Verbrau­chern abzubau­en.

Was der Brexit für die Europäische Union bedeutet, legte Prof. Dr. Friederike Welter im ifo-Schnelldienst Ende Mai ausführ­lich dar. Demnach verliert nicht nur die deutsche Bun­desregierung ei­nen starken Part­ner in der europäi­schen Gemein­schaft, sondern die mittel­ständischen Un­ternehmen müss­en sich auch in Großbritannien wie in der EU auf neue Hürden bei ihren Im- und Ex­porten einstellen. Darunter werden auch die binnen­marktorientierten Mittelständler lei­den.

In ihrem Beitrag "Digitalisierung ja − Industrie 4.0 bis­lang unter Vorbe­halt" für das Wirt­schaftspolitische Forum der Zeit­schrift für Wirt­schaftspolitik er­läutern Prof. Dr. Friederike Welter und Dr. Christian Schröder die Gründe, warum insbesondere klei­ne und mittlere Unternehmen bis­lang noch zöger­lich in Industrie 4.0 investieren. So fehlt unterneh­mensintern zum einen oftmals das Know-how, um neuere IKT-Anwendungen unter wirtschaft­lichen Gesichts­punkten beurteilen zu können. Zum anderen sind sie skeptisch, ob ihre sensiblen Unter­nehmensdaten in einer Cloud tat­sächlich sicher vor dem Zugriff Dritter sind.

Unternehmertum wurde lange Zeit mit patriarchali­schen Familien verbunden. Im Beitrag "Unter­nehmer und Un­ternehmerinnen in Deutschland" für die Zeitschrift "Aus Politik und Zeitge­schichte" (Bun­deszentrale für po­litische Bildung) zeigen Prof. Dr. Friederike Welter und Dr. Jutta Gröschl nicht nur auf, wie sich die­ses Bild im Laufe des vergangenen Jahrhunderts ver­ändert hat, son­dern auch, was Un­ternehmertum heutzutage aus­zeichnet.

Die Forschungsergebnisse des IfM Bonn – (inter-)national präsent
Auf der Diana In­ternational Re­search Confer­ence in Bodø (Norwegen) refer­ierte Prof. Dr. Friederike Welter über "Women´s Entrepreneurship Policy: A cross-country compari­son".

Dr. Teita Bijedic, Dr. Simone Chlosta sowie Prof. Dr. Arndt Werner (Universi­tät Siegen) berich­teten Anfang Juni auf der Babson College Entrepre­neurship Research Conference (BCERC) in Bodø (Norwegen) über die (geringe) Inno­vationsverwertung von Wissenschaft­lern an deutschen Hochschulen. Zu­gleich gaben sie Empfehlungen, wie eine Erhöhung der Innovations­verwertung er­reicht werden kann. Auf der ebenfalls in Bodø stattfindenden Di­ana International Research Con­ference stellte Dr. Teita Bijedic die individuellen und berufsbezogenen Determinanten sowie die Umweltfaktoren vor, die die Innovationstätigkeiten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beeinflussen.

Dr. Annette Icks gab Mitte Mai in ihrer Keynote auf der Personalmes­se Süd in Stuttgart erste wissen­schaftliche Ant­worten auf die Frage "Wie der Mittelstand für die Arbeitswelt 4.0 gewonnen werden kann".

Auf der wissen­schaftlichen Ta­gung "Arbeits­markt und Migrati­on" des Statisti­schen Bundesam­tes in Wiesbaden erläuterten Dr. Rosemarie Kay und Brigitte Günterberg An­fang Juni, wie sich das Gründungs­verhalten von Aus­ländern in den vergangenen Jah­ren entwickelt hat und was sich dar­aus hinsichtlich der Arbeits­marktintegration von Ausländern ableiten lässt. Auf der Babson Col­lege Entrepreneu­rship Research Conference refe­rierte Dr. Rosema­rie Kay Mitte Juni in Bodø (Norwe­gen) über die Fra­ge, warum Frauen lieber neu gründen als bestehende Unternehmen zu übernehmen. Gemeinsam mit Dr. Nadine Schlömer-Laufen hat sie hierüber geforscht.

Peter Kranzusch informierte Mitte April auf der Frühjahrstagung des Verbandes der Wirtschafts­förderungs- und Entwicklungsge­sellschaften in NRW über die ak­tuelle Entwick­lung im Grün­dungsgesche­hen. Anfang Juli legte er gemein­sam mit Michael Holz in Bonn vor Vertretern der IHK Bayern dar, welche Heraus­forderungen sich für die mittel­ständischen Un­ternehmen aus der Internationa­lisierung erge­ben.

Auf der Nordic Conference on Small Business Research (NCSB) in Riga/Lettland erläuterte Dr. Susanne Schlepphorst, warum den Hidden Champions in Deutschland die institutionellen Rahmenbedin­gungen zu Gute kommen − und warum sie Förder­programmen keine große Bedeutung beimessen.

Einen Überblick über die Bereit­schaft mittelstän­discher Unter­nehmen, in Indust­rie 4.0 zu investie­ren, gab Dr. Chris­tian Schröder auf der Sitzung des Bund-Länder-Ausschusses Mitte März in Saarbrü­cken. Anschlie­ßend stellte Dr. André Pahnke die wesentlichen Er­gebnisse der Stu­die "Finanzie­rungsstrukturen und -strategien kleiner und mittle­rer Unternehmen" vor.

zurück zum Inhaltsverzeichnis