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Der Forschungsnewsletter zum Mittelstand

– ein kostenloser Service des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Ausgabe 2/2018 / 22. Juni 2018

Inhalt

  ➜ Editorial
  ➜ Existenzgründungen: Talsohle ist möglicherweise überwunden
  ➜ Deutliche Gründungsschwerpunkte in NRW
  ➜ KMU: Weniger Investitionen – höheres Eigenkapital
  ➜ Positive Effekte des Regionalbankensystems
  ➜ Neu auf Youtube
  ➜ Aktualisierte IfM-Statistiken
  ➜ Aktuelles aus dem IfM Bonn

Editorial

Foto Prof. Dr. Welter Liebe Newsletter-Abonnenten,

trotz des günstigen Zinsumfeldes haben die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in den vergangenen Jahren deutlich weniger in neue Sachgüter investiert als mittelgroße und große Unternehmen. Teilweise lagen die Investitionsausgaben sogar unter den Abschreibungen – was formal eine Reduzierung des Kapitalstocks bedeutet.

Natürlich kann und wird beispielsweise ein Handwerksbetrieb nicht jedes Jahr seinen Maschinenpark erweitern oder seine EDV-Anlage erneuern. Gleichwohl haben wir uns gefragt, ob es einen konkreten Grund gibt, warum die KMU gerade seit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ihre Investitionsbereitschaft zurückgefahren haben. Diesen gibt es: die KMU handeln damit sehr zukunftsorientiert. Warum? Das erfahren Sie in diesem Forschungs-Newsletter hier.

Eine interessante Lektüre und eine schöne Sommerzeit wünscht Ihnen

Prof. Dr. Friederike Welter
Präsidentin des IfM Bonn

Existenzgründungen: Talsohle ist möglicherweise überwunden

Die Anzahl der Existenzgründungen ist in 2017 erstmals wieder leicht gestiegen: So wagten nach amtlichen Angaben im vergangenen Jahr 0,8 % mehr Personen den Weg in die Selbstständigkeit als in 2016. Gleichwohl beruht dieser Anstieg vor allem auf der Entwicklung bei den Freien Berufen: So stieg die Anzahl der freiberuflichen Existenzgründungen um 5.900 auf 94.700. Dagegen sank die Anzahl der gewerblichen Gründungen weiter leicht um 1,2 % auf 279.000. Insgesamt hat sich somit der gegenläufige Trend zwischen den Gründungen im gewerblichen Bereich und den freiberuflichen Gründungen auch im vergangenen Jahr fortgesetzt.

Existenzgründungen in Deutschland (insgesamt)

Existenzgründungen in Deutschland (insgesamt)

Regionale Unterschiede

Die Existenzgründungsintensität (Gründungen je 10.000 Personen im erwerbsfähigen Alter) lag in 2017 in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg weiterhin über dem Bundesdurchschnitt – insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern hingegen deutlich darunter.

Existenzgründungsintensität in den Bundesländern

Existenzgründungsintensität in den Bundesländern

Die statistischen Daten zum Gründungsgeschehen in Deutschland sowie zur Entwicklung in den Freien Berufen und im gewerblichen Bereich sind auf der Internetseite des IfM Bonn kostenfrei abrufbar.

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Deutliche Gründungsschwerpunkte in NRW

Die Anzahl der Existenzgründungen hat in NRW zwischen 2015 und 2017 um 2,3 % zugenommen. Am größten war der Zuwachs im Münsterland. Um das Gründungsgeschehen in den unterschiedlich großen NRW-Regionen vergleichen zu können, sind jedoch die jeweiligen Existenzgründungsintensitäten aussagekräftiger: Danach wiesen die Regionen Düsseldorf/Mettmann und Köln-Bonn in den Jahren 2015 bis 2017 die meisten Gründungen je 10.000 Personen im erwerbsfähigen Alter auf. Im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW haben die Wissenschaftler des IfM Bonn eine "Regionale Analyse des Gründungsgeschehens in Nordrhein-Westfalen – 2015 bis 2017" erstellt.

Wo wer gründet

Freiberufliche Gründungen tragen in den Regionen Köln-Bonn und in der Metropole Ruhr einen überdurchschnittlichen Beitrag zum Gründungsgeschehen bei. Gründungen in der Land- und Forstwirtschaft spielen hingegen im Münsterland, in Südwestfalen und in Ostwestfalen-Lippe eine überdurchschnittliche Rolle – gewerbliche Gründungen in den Regionen Metropole Ruhr und Köln-Bonn.

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KMU: Weniger Investitionen – höheres Eigenkapital

Obwohl kleine und mittlere Unternehmen in wirtschaftlich prosperierenden Phasen weniger als Großunternehmen investieren, leidet ihr wirtschaftlicher Erfolg nicht darunter. Im Gegenteil: Da die KMU auf diese Weise ihre Eigenkapitalquote erhöhen, sind sie zu einem späteren Zeitpunkt in der Lage, notwendige Investitionsprojekte weitestgehend aus Eigenmitteln zu bestreiten. Das Investitionsverhalten von Unternehmen in ökonomisch gut aufgestellten Regionen unterscheidet sich dabei kaum von der Investitionsbereitschaft in weniger prosperierenden Gegenden.

Die Studie "Investitionsverhalten von kleinen und mittleren Unternehmen" zeigt zudem, dass die KMU in allen Branchen und Regionen nach der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise in 2009 sehr gezielt auf eine Verringerung der Abhängigkeit von ihren Fremdkapitalgebern hingearbeitet haben. In Folge dessen liegt die Eigenkapitalquote von Klein- und Kleinstunternehmen heute auf der gleichen Höhe wie die der Großunternehmen.

Entwicklung der Nettoinvestitionsquoten

Entwicklung der Nettoinvestitionsquoten

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Positive Effekte des Regionalbankensystems

Das regionale Bankensystem in Deutschland wirkt sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung von kleineren und mittleren Unternehmen aus. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Einfluss des Regionalbankensystems auf die Mittelstandsfinanzierung", für die die IfM-Wissenschaftler die Kreditvergabepraxis in Deutschland mit der Großbritanniens rund um die Jahre der Weltwirtschafts- und Finanzkrise verglichen haben. Dieser Staatenvergleich bot sich an, da die Kreditvergabe an KMU in Deutschland überwiegend regional und im Vereinigten Königreich zentral organisiert wird. Zudem präferieren die KMU in beiden Ländern Bankkredite als Finanzierungsinstrument.

Zentralismus erschwert Kreditzugang

Während die KMU in Deutschland und im Vereinigten Königreich vor 2008 über einen ähnlich guten Zugang zu Bankkrediten verfügten, sind die Hürden auf der britischen Insel im Zuge der Krise – insbesondere aber für (junge) Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial – deutlich gestiegen. In Deutschland weiteten dagegen die regional orientierten Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre Kreditvolumina aus, was sich sowohl auf die Wettbewerbsfähigkeit der KMU als auch auf die Marktanteile der deutschen Regionalbanken positiv auswirkte.

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Neu auf Youtube

Neu auf Youtube

Vor 60 Jahren wurde das Institut für Mittelstandsforschung gegründet. Mit welchen Herausforderungen sich der Mittelstand Ende der 50iger Jahre konfrontiert sah und wie sich die Forschungsschwerpunkte des IfM Bonn seither entwickelt haben, finden Sie jetzt auf Youtube.

In zwei weiteren Kurzvideos erläutert Dr. Annette Icks die Bedeutung von Arbeit 4.0 für den Mittelstand.

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Aktualisierte IfM-Statistiken

In den vergangenen Wochen wurde folgende Statistiken auf der Internetseite des IfM Bonn aktualisiert:

KMU und Großunternehmen
Umsätze
Beschäftigte
Volkswirtschaftliche Bedeutung der KMU
Kennzahlen der KMU nach Definition des IfM Bonn
Unternehmensbestand

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Vorschau:

Im Forschungs-Newsletter 3/2018 können Sie u. a. lesen,

mit welchen Maßnahmen die KMU auf den demografischen Wandel reagieren,
wie die großen Familienunternehmen aktuell die wirtschaftliche und politische Lage einschätzen und
wie viele Unternehmerinnen aktuell im MINT-Bereich tätig sind.

Der Newsletter wird am 21. September 2018 versandt.

Aktuelles aus dem IfM Bonn

Round Table Mittelstand liefert Impulse für die Mittelstandspolitik

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Foto: BMWi

Die neue Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Mittelstand noch stärker in ihren Fokus zu rücken. Eine Reihe von Vorschlägen, mit welchen neuen Impulsen dies gelingen kann, diskutierten Wissenschaftler verschiedener Forschungsinstitute und Vertreter von Wirtschaftsverbänden sowie der KfW-Bankengruppe gemeinsam mit Vertretern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie auf dem Round Table Mittelstand Ende April: Nach Ansicht von IfM-Präsidentin Prof. Dr. Friederike Welter sollte eine moderne und zukunftsorientierte Mittelstandspolitik nicht Nachteilsausgleich betreiben, sondern die Vielfalt und Rolle des Mittelstands für eine wettbewerbsfähige und zukunftsgewandte Wirtschaft und Gesellschaft betonen. Neue Impulse für den Mittelstand müssten nach Aussagen von Dr. Klaus-Heiner Röhl (Institut der Deutschen Wirtschaft) aber auch von EU-Seite ausgehen. Dazu gehören größere Mittelständler zu stärken sowie Bürokratieabbau und Deregulierung voranzutreiben.

Wie eine unternehmerische Gesellschaft in Deutschland gefördert werden könnte, zeigten Prof. Dr. Mark Sanders (Universität Utrecht/Niederlande) und Prof. Dr. Michael Fritsch (Friedrich-Schiller-Universität Jena) anhand der "FIRES-Reform Strategie für Deutschland" auf. Allerdings könne das Silicon Valley kein Vorbild für das Gründertum in Deutschland sein, da "Deutsche anders gründen", erläuterte Prof. Dr. Andrea Herrmann (Universität Utrecht/Niederlande). Christof Starke stellte schließlich das interaktive Veranstaltungskonzept des Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft vor, das mittelständische Unternehmen mit der Arbeitsweise junger innovativer Unternehmen vertraut macht. Ziel ist es, dem Mittelstand neue Impulse für die Kooperation mit innovativen Start-ups zu geben.

IfM Bonn beim Tag der Offenen Uni

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Wer gehört zum Mittelstand? Welche Arbeitsbereiche gibt es in mittelständischen Unternehmen? Inwieweit könnten diese zukünftig als Arbeitgeber für Schulabgänger interessant sein? Am Stand des IfM Bonn und des Lehrstuhls für Management kleiner und mittlerer Unternehmen & Entrepreneurship erhielten die Besucher des "Tag der Offenen Uni" in Siegen am 5. Mai zahlreiche Informationen rund um den Mittelstand. Zudem konnten die Studieninteressierten mit Hilfe eines Selbsttests prüfen, ob ihr "Traumjob" vielleicht zukünftig im mittelständischen Bereich liegen könnte.

Zu Gast im IfM Bonn

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Im Rahmen des wissenschaftlichen Forums stellte Dr. Till Proeger, Geschäftsführer des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh), Anfang Mai im IfM Bonn jüngste Forschungsergebnisse seines Instituts vor.

Forschungsergebnisse des IfM Bonn auf renommierten Konferenzen
Auf der renommierten Babson College Entrepreneurship Research Conference (BCERC) Anfang Juni in Waterford/Irland referierte Dr. Teita Bijedić über die geschlechterspezifischen Unterschiede in der Innovationstätigkeit von Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen. Dr. Rosemarie Kay legte dar, in welcher Weise sich die Unternehmensperformance auf wesentliche Entscheidungen in der Planungsphase der Unternehmensnachfolge auswirkt, wie beispielsweise die Art der Nachfolge.

Dr. Christian Dienes beleuchtete auf der Internationalen Konferenz Innovationsmanagement, Unternehmertum und Nachhaltigkeit (IMES) Ende Mai in Prag/Tschechien den Zusammenhang zwischen dem Umweltbewusstsein von KMU-Managern und deren Absicht, Ressourcen zu sparen. Dr. Sebastian Nielen legte anhand eines europäischen Ländervergleichs die Bedeutung von Lieferantenkrediten für KMU in Deutschland dar.

Auf der Nordic Conference on Small Business Research in Luleå/Schweden referierte Dr. Susanne Schlepphorst Ende Mai darüber, wie sich Netzwerkbeziehungen, Humankapital- und finanzielle Ausstattung von migrantengeführten Unternehmen auf deren Innovationstätigkeit und Geschäftsentwicklung auswirken.

Neue Beiträge in der Working Paper-Reihe
In seinem Beitrag "Brain Driven Entrepreneurship Research: Expanded Review and Research Agenda Towards Entrepreneurial Enhancement" zeigt Victor Pérez-Centeno (Universität Kobe/Japan) auf, dass die Neurowissenschaften bereits eine Rolle bei der Erforschung unternehmerischen Verhaltens spielen. Auf der Basis seiner Literaturrecherche stellt er neurowissenschaftliche Forschungsansätze vor, die auch in der Gründungs- und Entrepreneurshipforschung hilfreich sein können.

Externe Veröffentlichungen von IfM-Wissenschaftlern
Je höher der eigene finanzielle Beitrag eines Gründers ist, desto mehr ist auch die Crowd bereit, in dessen Vorhaben zu investieren. In ihrem Beitrag "A Research Note on Entrepreneurs´Financial Commitment and Crowdfunding Success" für Venture Capital zeigen Jonas Löher, Dr. Stefan Schneck und Prof. Dr. Arndt Werner (Universität Siegen) das Zusammenspiel von Signaleffekten auf den Erfolg von Crowdinvesting auf. (LINK FOLGT)

Ein offizieller Forschungsauftrag war ursächlich dafür, dass Prof. Dr. Friederike Welter das Forschungsfeld "Die Entwicklung von Unternehmertum unter verschiedenen Rahmenbedingungen" für sich entdeckte. In "Exploring Entrepreneurship. Entrepreneurship in Practice" legt sie dar, was sie an dem Thema damals reizte und wie sich ihre Forschungsintention im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat.

Die Forschungsergebnisse des IfM Bonn – (inter-)national präsent
Auf der Tagung "70 Jahre Soziale Marktwirtschaft" am 22. Juni referierte Prof. Dr. Friederike Welter über die Rolle der Unternehmer. Am Beispiel Deutschlands zeigte sie auf dem Deutsch-Türkischen Wirtschaftsdialog in Cadenabbia/Italien auf, warum der mittelstandspolitische Fokus auf alle mittelständischen Unternehmen gerichtet sein sollte – und nicht nur auf die High-Tech-Unternehmen.

Über die Forschungsergebnisse des Projekts "Regionale Gründungsumfelder am Beispiel ausgewählter Hot Spots" berichtete Dr. Teita Bijedić im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen Ende April sowie im Bund-Länder-Ausschuss Mittelstand Mitte April.

Welche Strategien die nicht-forschenden mittelständischen Unternehmen verfolgen, um Innovationen zu generieren, erläuterte Dr. Siegrun Brink Anfang Mai gemeinsam mit Prof. Dr. Friederike Welter und Dr. Sebastian Nielen im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Im Rahmen des Round Table "Mensch Maschine" diskutierte Dr. Annette Icks Mitte Juni im Fraunhofer Future Work Lab in Stuttgard mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und des Fraunhofer Instituts über Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Arbeitswelt 4.0. Auf der Dreiländertagung "Betriebliche Gesundheitsförderung 2018" Ende März in Konstanz stellte sie zum einen die Auswirkungen der sozio-technischen Systeme auf das betriebliche Gesundheitsmanagement dar. Zum anderen berichtete sie über die jüngsten Ergebnisse des Verbundprojekts "Prävention 4.0".

Im Rahmen der Diskussionsveranstaltung "Kein Nachfolger in Sicht – Generationenwechsel im Mittelstand", zu der die Wirtschaftsjunioren Mitte Mai nach Berlin eingeladen hatten, stellte Dr. Rosemarie Kay unter anderem die Vorteile einer Übernahme im Vergleich zur Neugründung eines Unternehmens dar. Auf dem "Finanztag Mittelstand 2018" Mitte April auf dem Petersberg/Königswinter hielt sie die Keynote zum Thema "Innovation und Digitalisierung". Vor dem Bund-Länder-Ausschuss zeigte sie Mitte April die letztjährige Entwicklung im Gründungs- und Liquidationsgeschehen in Deutschland und in den Bundesländern auf.

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