Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen

Auftraggeber

Stiftung Familienunternehmen

Zusammenfassung

Das Erkenntnisinteresse vielfältiger empirischer Studien und Untersuchungen richtet sich vornehmlich auf die börsennotierten und i.d.R. großen Unternehmen sowie die kleinen und mittleren Unternehmen. Große Familienunternehmen hingegen werden in der breiten Öffentlichkeit nicht mit einer ähnlich hohen Aufmerksamkeit bedacht, sei es, dass sie selber weniger Medienaufmerksamkeit suchen oder z.B. nicht wie große börsennotierte Unternehmen das Interesse eines breiten Anlegerkreises wecken müssen. Sie stehen daher nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit und über ihre gesamtwirtschaftliche Leistung ist wenig bekannt. Die vorliegende Untersuchung soll diese Lücke schließen und dazu beitragen, die Informationslage über die volkswirtschaftliche Bedeutung der großen Familienunternehmen zu verbessern.

Familienunternehmen prägen die deutsche Unternehmenslandschaft

Nach Berechnungen des IfM Bonn weisen rund 95% aller deutschen Unternehmen die für Familienunternehmen charakteristische Einheit von Eigentum und Leitung auf. Die Familienunternehmen i.e.S. erzielen rund 42 % der Umsätze und stellen ca. 57% aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland. Familienunternehmen sind somit nicht nur der dominierende Unternehmenstyp in der deutschen Unternehmenslandschaft, sondern bilden auch die tragende Säule für Wachstum und Beschäftigung.

IfM Bonn erstellt erstmals Rankinglisten der 500 größten Familienunternehmen

Erstmals wurden im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen für Deutschland alle Großunternehmen, die im Unternehmensregister als rechtliche Einheiten mit 50 Mill. € und mehr Jahresumsatz ausgewiesen werden, durch Abgleich der Eigentümerstruktur zu wirtschaftlichen Einheiten konsolidiert und auf Familienkontrolle (Familienunternehmen i.w.S.) untersucht. Nach der Konsolidierung bleiben von den rund 8.500 rechtlichen Einheiten mit 50 Mill. € oder mehr Jahresumsatz nur noch rund 3.500 unabhängige Großunternehmen übrig. Davon sind etwa ein Drittel Familienunternehmen i.w.S. Aus diesen rund 1.200 Familienunternehmen wurde nach der Höhe des Umsatzes für den Zeitraum 2003 bis 2005 eine Rankingliste der Top 500 Familienunternehmen erstellt, die u.a. auch Informationen zu Beschäftigtenzahlen sowie der absoluten und relativen Veränderung enthält.

Die Top 500 Familienunternehmen stellen fast jeden zehnten Arbeitsplatz

Die Top 500 Familienunternehmen zeichnen 2005 mit rund 2,2 Mill. Mitarbeitern für mehr als 9 % der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten aller deutschen Unternehmen und für rund 11 % aller Umsätze verantwortlich. Innerhalb der Gruppe der Großunternehmen mit 50 Mill. € und mehr Jahresumsatz stellen sie fast ein Viertel aller Arbeitsplätze. Die DAX-Unternehmen weisen hingegen einen Beschäftigtenanteil von rund 17% auf.

Die Top 500 Familienunternehmen wachsen gegen den Trend sehr dynamisch

Die 500 größten Familienunternehmen haben sich im Zeitraum 2003 bis 2005 erfolgreich von dem allgemeinen Trend einer rückläufigen Beschäftigung abgekoppelt. Während in diesem Zeitraum die Beschäftigung aller deutschen Unternehmen um jahresdurchschnittlich 1,5% abnahm, legte die Beschäftigung der Top 500 Familienunternehmen mit jahresdurchschnittlich 4,8% kräftig zu. Die DAX-Unternehmen haben von 2003 auf 2005 ihre Belegschaften mit 1,8% p.a. noch stärker abgebaut als die Gesamtwirtschaft. Mithin schneiden die Top 500 Familienunternehmen im Vergleich zu den DAX-Unternehmen noch besser ab als im Vergleich zu allen deutschen Unternehmen.

Dieser äußerst positive Beitrag der Top 500 Familienunternehmen zur Beschäftigung in Deutschland ist verbunden mit ihrem weltweiten Wachstum. Während die DAX-Unternehmen ihre weltweite Beschäftigung von rund 3,2 Mill. nur zu Lasten der Inlandsbeschäftigung durch Verlagerung ins Ausland aufrechterhalten konnten, haben die 500 größten Familienunternehmen nicht nur weltweit ein Beschäftigungswachstum erzielt: Ihre weltweite Beschäftigungszunahme um 400.000 Mitarbeiter geht darüber hinaus mit einer kräftigen Ausweitung der Inlandsbeschäftigung um 200.000 Mitarbeiter einher. Die 500 größten Familienunternehmen trugen damit ganz wesentlich zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in Deutschland bei.

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  • Weitere Veröffentlichungen
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen

Wallau, F. (2009): Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen, in: Felden, B. (Hrsg.): Edition EMF - Band 1, Familienunternehmen – was bleibt, was wird? Dollerup und Berlin, S. 30-45.

Haunschild, L.; Wallau, F.; Hauser, H.-E.; Wolter, H.-J. (2007): Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen, Gutachten im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen, in: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): IfM-Materialien Nr. 172, Bonn.

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