Gender, Innovation und Unternehmensentwickung

Abgeschlossenes Forschungsprojekt

Ausgangslage/Problemstellung

Innovationen sind ein unabdingbarer Mechanismus für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach möglichen geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Innovationstätigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen. Bisherige Studien haben die Genderperspektive vorwiegend aus absatzpolitischer Sicht verstanden und die Berücksichtigung des Geschlechts beispielsweise bei der Definition von Kundenbedürfnissen oder der Umsetzung neuer Technologien eingefordert (Schraudner/Lukoschat 2006). Internationale Studien zeigen auch eine erheblich schwächere Beteiligung von Wissenschaftlerinnen an Patentierungen und forschungsbasierten Ausgründungen (z.B. Bunker Whittington/Smith-Doerr 2005). Jedoch haben weder die Innovationsforschung noch die Gründungsforschung dem Einfluss von Geschlecht auf die Entwicklung innovativer Gründungen oder der Innovationstätigkeit von bestehenden Unternehmen bislang große Aufmerksamkeit gewidmet. Die Innovationsforschung beispielsweise schließt eine genderspezifische Betrachtung implizit aus, weil sie sich auf männerdominierte Sektoren und technologische Innovationen konzentriert (Blake/Hanson 2005). Tiefergehendes Wissen über die Rolle des Geschlechts und geschlechtsspezifischer Praktiken im Zusammenhang mit Innovationen und innovativen Unternehmen sowie den Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigungsentwicklung, fehlen jedoch.

Forschungsziel/Vorgehensweise

An dieser Forschungslücke setzt das vorgeschlagene Projekt an und möchte erste Erkenntnisse über den Zusammenhang von Geschlecht, Innovation und Unternehmensentwicklung gewinnen. Folgende Fragen sollen, im Jahr 2013 zunächst im Rahmen einer literaturbasierten Vorstudie und einer Reihe von Expertengesprächen auf nationaler und internationaler Ebene, untersucht werden:

  • Gibt es möglicherweise geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Innovationstätigkeit und bei Innovationsprozessen innerhalb und zwischen mittelständischen Unternehmen? Welche Auswirkungen haben geschlechtsspezifische Unterschiede im Innovationsverhalten auf die Unternehmensentwicklung (Wachstum, Beschäftigung)?
  • Welche Rolle spielen verschiedene Formen von Innovationen (z.B. Prozess, Produkt, Sozialinnovationen) für frauen- und männergeführte Unternehmen?
  • Gibt es möglicherweise geschlechtsspezifische Barrieren beim Zugang zu Ressourcen für die unternehmerische Innovationstätigkeit? Lassen sich weitere geschlechtsspezifische Hemmnisse für die Innovationstätigkeit von Gründerinnen und Unternehmerinnen identifizieren?
  • Inwieweit greift die heutige Mittelstandspolitik und -förderung geschlechtsspezifische Unterschiede auf, inwieweit diskriminiert sie – unbewußt – die Innovationstätigkeit von Frauen?

Für die internationalen Expertengespräche kann auf ein informelles Netzwerk von Forscherinnen zurückgegriffen werden, die den Forschungsbereich "Gender, Innovationen und Unternehmertum" zurzeit aufbauen und eine international vergleichende Untersuchung vorbereiten.

Am Jahresende sollen die Ergebnisse bewertet werden. In Abhängigkeit vom Ergebnis der Bewertung soll über eine Fortführung des Projekts in 2014 entschieden werden.

  • Aktuelle Veröffentlichung
Gender, Innovation und Unternehmensentwicklung

Brink, S.; Kriwoluzky, S.; Bijedić, T.; Ettl, K.; Welter, F. (2014): Gender, Innovation und Unternehmensentwicklung, in: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): IfM-Materialien Nr. 228, Bonn.

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