Erfahrungen mittelständischer Unternehmen mit den neuen Abschlüssen Bachelor und Master

Abgeschlossenes Forschungsprojekt

Ausgangslage

Die im Zuge des Bologna-Prozesses eingeleitete Studienstrukturreform hat nicht zuletzt auch Auswirkungen auf die Wirtschaft, vor allem für die Unternehmen, die Hochschulabsolventen rekrutieren. Sie müssen sich auf Bewerber mit den neuen Abschlüssen Master und Bachelor einstellen und mit den veränderten Studieninhalten und Studiengängen auseinandersetzen. Vor diesem Hintergrund hat das IfM Bonn näher untersucht, wie insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Konsequenzen der Hochschulreform aufnehmen.

Folgen der Reform bereits heute auf dem Arbeitsmarkt spürbar

Die Studienstrukturreform ist in Deutschland weit vorangeschritten: Bis Ende 2010 war der Großteil der Studiengänge (81,9 %) auf das neue System umgestellt. Mehr als die Hälfte der Studierenden (55,4 %) war im Wintersemester 2009/2010 in einem dieser neuen Studiengänge immatrikuliert. Und ein Drittel der Hochschulabgänger des Jahres 2009 schloss das Studium mit einem Bachelor- oder Master-Titel ab. Die Studienstrukturreform findet also bereits ihren Niederschlag auf dem Arbeitsmarkt. In Kürze werden Bachelor- und Master-Titel die Regelabschlüsse in den meisten Fachbereichen darstellen.

Unternehmen über die Reform nur unzureichend informiert

Die Studienstrukturreform ist den vom IfM Bonn befragten Unternehmen fast ausnahmslos bekannt. Knapp die Hälfte der Befragten räumte jedoch ein, nicht hinreichend über die konkreten Inhalte der Reform informiert zu sein. Den Unternehmen fehlen insbesondere Kenntnisse hinsichtlich der Qualitätsmerkmale der Studiengänge und der Inhalte der Lehrpläne. Zudem fehlt ihnen häufiger der Überblick über die Studiengänge und die Bezeichnungen der neuen Abschlüsse. Informationslücken treten in KMU bemerkenswerterweise etwas seltener auf als in Großunternehmen.

Weitgehend indifferente Haltung der Wirtschaft gegenüber der Reform

Die Einstellungen der Unternehmen gegenüber der Einführung der neuen Studiengänge reichen von weitgehender Zustimmung bis zu nahezu vollständiger Ablehnung. Das Gros der KMU wie der Großunternehmen steht der Reform jedoch eher indifferent gegenüber. Teils beruhen die eher kritischen Einschätzungen der Unternehmen auf fehlenden Erfahrungen im Umgang mit den neuen Absolventen. Teils identifizieren die Unternehmen aber auch konkrete Schwächen der Hochschulreform. So sind aus ihrer Sicht etwa die Lehrinhalte der neuen Studiengänge keineswegs praxisnäher als die der alten Studiengänge. Zudem sind sie mit dem Fachwissen, den analytischen Fähigkeiten und der Befähigung zum eigenständigen Arbeiten der Bachelor-Absolventen im Vergleich zu den Bewerbern mit einem herkömmlichen (Diplom, Magister usw.) oder einem Master-Abschluss etwas weniger zufrieden.

Trotz der Vorbehalte stellt Mehrheit der Befragten Bachelor-Absolventen ein

Trotz der leicht kritischen Haltung gegenüber der Studienstrukturreform hat mehr als die Hälfte der Unternehmen, die in den letzten drei Jahren Akademiker rekrutiert haben, Absolventen der neuen Studiengänge, vor allem Bachelor-Absolventen eingestellt. KMU sind unter diesen Unternehmen seltener anzutreffen. Allgemein haben wachsende und beschäftigungsstarke Unternehmen Bachelor-Absolventen eingestellt. Hinter dem Unternehmensgrößenunterschied dürften sich vorrangig unterschiedliche Einstellungsbedarfe der Unternehmen verbergen und damit unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten, überhaupt Hochschulabsolventen mit Bachelor-Abschluss einstellen zu können.

Grundlage der Studie ist eine Befragung von Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern aus ausgewählten Wirtschaftsbereichen des produzierenden und des Dienstleistungssektors, die sich durch einen hohen Anteil von Akademikern an der Belegschaft auszeichnen.

  • Aktuelle Veröffentlichung
Erfahrung mittelständischer Unternehmen mit den neuen Abschlüssen Bachelor und Master

Maaß, F.; Kay, R. (2011): Erfahrung mittelständischer Unternehmen mit den neuen Abschlüssen Bachelor und Master, in: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): IfM-Materialien Nr. 207, Bonn.

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