Unternehmensnachfolge im Mittelstand: Investitionsverhalten, Finanzierung und Unternehmensentwicklung

Abgeschlossenes Forschungsprojekt

Projektbearbeitung

In Kooperation mit der KfW

Zusammenfassung

Jährlich stehen in Deutschland nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn etwa 22.000 Unternehmen zur Übergabe an einen Nachfolger an. Der unternehmerische Wechsel trägt zur Sicherung des Unternehmensbestandes und der damit verbundenen Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bei. Vor diesem Hintergrund hat sich das Kooperationsprojekt mit den häufig diskutierten Finanzierungsrestriktionen von Unternehmensnachfolgern und mit dem Investitionsverhalten von Unternehmen vor, während und nach der Übergabe an einen neuen Eigentümer befasst. Erstmals konnte auf der Basis des KfW-Mittelstandspanels empirisch die These überprüft werden, dass Unternehmenseigentümer vor der geplanten Übergabe ihres Unternehmens eine geringere Investitionsneigung aufweisen als Unternehmer, die keine Übergabe anstreben (Investitionsstauhypothese). Außerdem wurde der Zusammenhang zwischen der Übergabe und der darauf folgenden Unternehmensentwicklung untersucht.

Alteigentümer investieren vor Übergabe weniger

Die Regressionsanalysen bestätigen die Investitionsstauhypothese: Unternehmen investieren im Jahr vor einer geplanten Übergabe deutlich seltener und weniger als Unternehmen, die keine Übernahme geplant haben. Aus der Sicht des Alteigentümers kann das Unterlassen von Investitionen vor der Unternehmensübergabe durchaus rational sein, insbesondere in Bezug auf langfristige Investitionsentscheidungen. Denn bei langfristigen Investitionen kann er nicht davon ausgehen, dass der Übernehmer die gleichen Erwartungen bezüglich der zukünftigen Erträge aus der Investition hegt und dies im Kaufpreis entsprechend honoriert.

Übernehmer lösen den Investitionsstau rasch auf

Nach dem Rückzug des Altunternehmers ziehen die Investition wieder stark an. Dabei löst sich der vor der Übergabe aufgebaute Investitionsstau bereits im Jahr nach der erfolgten Übernahme weitgehend auf. Keine empirische Evidenz können die Analysen dafür liefern, dass Kreditinstitute im Fall einer Unternehmensübernahme in besonderem Maße zu Kreditablehnungen neigen. Vielmehr scheint es so zu sein, dass Kreditinstitute das Nachholen von zuvor unterlassenen Investitionen als die Bestandsfestigkeit des Unternehmens sichernde Maßnahme mit Krediten honorieren.

Neuzuschnitt des Unternehmens nach Übergabe

Aus den Analysen geht auch hervor, dass nach einer Unternehmensübergabe in der Regel eine Neuausrichtung des Unternehmens durch den Übernehmer angestrebt wird. Dabei gelingt es dem Neueigentümer neue Wachstumsmöglichkeiten zu erschließen, was sich in höheren Umsatzwachstumsraten widerspiegelt.

  • Aktuelle Veröffentlichung
Unternehmmensnachfolge im Mittelstand: Investitionsverhalten, Finanierung und Unternehmensentwicklung

Haunschild, L.; Tchouvakhina, M.; Werner, A. (2010): Unternehmensnachfolge im Mittelstand: Investitionsverhalten, Finanzierung und Unternehmensentwicklung, in: KfW-Standpunkt Nr. 5, Frankfurt am Main.