Können potenzielle Neugründer die so genannte Nachfolgerlücke bei Unternehmensübernahmen schließen?

Abgeschlossenes Forschungsprojekt

Zusammenfassung    

Kleine Familienunternehmen sind überdurchschnittlich häufig von Stilllegungen mangels (interner oder externer) Nachfolger betroffen. Eine Möglichkeit, dem zu begegnen, liegt nach Empfehlungen verschiedener Autoren darin, Personen, die die Neugründung eines Unternehmens anstreben (potenzielle Neugründer), verstärkt für die Übernahme zu gewinnen. Das IfM Bonn hat sich daher auf Basis seines Gründerpanels mit der Frage beschäftigt, in welcher Weise sich (potenzielle) Übernehmer überhaupt von (potenziellen) Neugründern unterscheiden und wie stark die ursprüngliche Absicht, ein Unternehmen neu zu gründen, die realisierte Gründungsform beeinflusst. Die Analysen zeigen, dass sich potenzielle Übernehmer in der Vorgründungsphase in vier Merkmalen signifikant von potenziellen Neugründern unterscheiden. Auch in der Nachgründungsphase zeigen sich weitere Unterschiede zwischen den beiden Gruppen von Gründungswilligen. Gründungswillige, die eine Neugründung anstreben, haben ihre Gründungspläne zehn Monate nach der Erstbefragung signifikant häufiger realisiert als Gründungswillige, die ursprünglich eine Unternehmensübernahme planten. Was die realisierte Gründungsform angeht, kann die Analyse nachweisen, dass fast die Hälfte der Übernahmeplaner, die selbstständig gemacht haben, ihren Gründungsplan geändert und ein Unternehmen neu gegründet statt übernommen hat. Umgekehrt gehen Neugründungsplaner nur selten von der geplanten Form der Gründung ab.  

Neugründung- und Übernahmeplaner unterscheiden sich vor allem in organisationalen Aspekten der Gründungspläne    

Es konnten vier zentrale Merkmale identifiziert werden, die sich auf die Wahrscheinlichkeit, ein Unternehmen übernehmen statt eines neu gründen zu wollen, auswirken. Diese Faktoren liegen in den Bereichen Humankapital (Branchenerfahrung), soziodemografische Merkmale (Geschlecht) sowie organisationale Aspekte der Gründungspläne (Gründungsidee, Vollerwerbsgründung). Den stärksten positiven Einfluss auf den Plan, ein Unternehmen zu übernehmen, hat das Geschlecht des Gründungswilligen. So steigt c.p. die Wahrscheinlichkeit des Gründungsplans „Übernahme“ um 5,3 Prozentpunkte, wenn der Gründungsplaner männlichen Geschlechts ist. Bei der Interpretation dieses Befundes ist zu berücksichtigen, dass sich die soziale Wirklichkeit von Männern und Frauen (jeweils als Gruppe) z.B. im Hinblick auf Bildung, Position im Erwerbsleben oder zugewiesene Zuständigkeit für Haushalt und Kinderbetreuung nach wie vor unterscheidet. Im Merkmal Geschlecht spiegeln sich also wahrscheinlich stärker sozio-kulturell geprägte und tradierte Unterschiede wider denn biologische oder "natürliche". Den stärksten negativen Einfluss auf den Plan, ein Unternehmen zu übernehmen, hat die Existenz einer Gründungsidee. Gründungswillige, die bereits eine Geschäftsidee haben, streben mit einer um 6,2 Prozentpunkte geringeren Wahrscheinlichkeit eine Unternehmensübernahme anstelle einer Neugründung an. Dieser Einfluss ist insofern nicht überraschend, als bei einer Übernahme i.d.R. eine vorhandene Geschäftsidee gekauft wird, während bei einer Neugründung die Geschäftsidee eine notwendige Voraussetzung darstellt.    

Umsetzung der Gründungspläne weist ebenfalls Unterschiede auf    

Gründungswillige, die bei der Erstbefragung angegeben haben, eine Neugründung anzustreben, haben rund zehn Monate später ihre Gründungspläne signifikant häufiger realisiert als Gründungswillige, die ursprünglich eine Unternehmensübernahme planten (40,1% vs. 24,2%). Ein bemerkenswerter Befund ergibt sich, wenn überprüft wird, ob die Gründer und Übernehmer tatsächlich die von ihnen angestrebte Gründungsform realisiert haben. Dies ist lediglich bei den Gründungswilligen nahezu ausnahmslos (98,4%) der Fall, die von vorneherein eine Neugründung zum Ziel hatten. Bei den Gründungsinteressierten, die eine Übernahme beabsichtigten, zeigt sich ein anderes Bild. Die Hälfte von ihnen hat den Plan geändert und stattdessen ein Unternehmen gegründet. Der Wechsel der Gründungspläne liegt vermutlich in den unterschiedlichen Bedingungen und Anforderungen einer Übernahme und einer Neugründung begründet. Aus der Nachfolgeforschung vorliegende Befunde legen die Vermutung nahe, dass bei der Realisierung einer Übernahme größere Hürden zu überwinden sind als bei einer Neugründung, so dass sich einige Übernahmewillige vor die Alternativen gestellt sehen, die geplante Selbstständigkeit ganz aufzugeben, auf eine Neugründung auszuweichen oder noch mehr Zeit in die Vorbereitung der Übernahme zu investieren.    

Empirisch analysiert wurde die Fragestellung auf Basis des Gründerpanels des Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Insgesamt konnten für die Analysen 1.145 Gründungsinteressierte betrachtet werden.  

  • Aktuelle Veröffentlichung
Können potenzielle Neugründer die so genannte Nachfolgerlücke bei Unternehmensübernahmen schließen?

Kay, R.; Schlömer, N. (2009): Können potenzielle Neugründer die so genannte Nachfolgerlücke bei Unternehmensübernahmen schließen? - Eine empirische Analyse, in: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): Jahrbuch zur Mittelstandsforschung 2008, Schriften zur Mittelstandsforschung Nr. 116 NF, Wiesbaden, S. 53-70.

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