Im Visier chinesischer Direktinvestitionen

05.03.2020

IfM Bonn untersuchte die Auswirkungen von chinesischen Unternehmensübernahmen im Mittelstand

Durch die Stärkung der Innovationskraft von einheimischen Unternehmen und die Förderung marktwirtschaftlicher Prinzipien kann die deutsche Politik mehr zur wirtschaftlichen Entwicklung und Wohlstandswahrung beitragen als durch eine kurzfristige protektionistische Außenwirtschaftspolitik. Zu diesem Ergebnis kommt das jüngste Denkpapier "Chinesische Direktinvestitionen in Deutschland: Chancen und Risiken für den Mittelstand" des IfM Bonn.
"Ein staatliches Verbot von Unternehmensübergaben mit herausragenden Wissens- und Technologiepotenzialen widerspricht grundlegenden marktwirtschaftlichen Prinzipien: Schließlich gehört es hierzulande zur unternehmerischen Freiheit, dass Unternehmer ihr Eigentum ohne staatlichen Genehmigungsvorbehalt auch an ausländische Investoren verkaufen können", erläutert Prof. Dr. Friederike Welter (IfM Bonn/Universität Siegen). "In der Praxis wäre ein staatliches Verbot aber auch wenig effektiv: Schließlich können die Unternehmenseigentümer ihr Know-how auch mit Hilfe von Joint Ventures in China oder über Lizenzvergaben gewinnbringend veräußern."

Nur in sicherheitsrelevanten Bereichen (z. B. Verteidigung, Infrastruktur) ist eine staatliche Prüfung basierend auf der Außenwirtschaftsverordnung sinnvoll und wichtig, um mögliche Gefährdungen und einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden.

In gesamtwirtschaftlicher Sicht profitiert die chinesische Volkswirtschaft von Unternehmensübernahmen, wenn die erworbenen Unternehmen positive Innovationsimpulse liefern können. Ebenso wirkt es sich positiv aus, wenn die Technologien und Kompetenzen an möglichst viele Unternehmen in China weitergegeben werden können. Allerdings ist das Wissen, das beispielsweise in einzelnen Maschinen und Unternehmensprozessen steckt oder durch Patente geschützt ist, vergangenheitsbezogen.

Um dauerhaft von den Technologieführern in Deutschland profitieren zu können, müssen die chinesischen Investoren die Wissens- und Know-how-Träger in den übernommenen Unternehmen zur aktiven Zusammenarbeit motivieren und eine gemeinsame Interessens- und Vertrauensbasis schaffen. Dies gelingt jedoch nur über eine Unternehmenskultur, die die Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen fördert und die Mitarbeiter wertschätzt. Ist dies nicht gegeben, werden hierzulande die Wissens- und Know-how-Träger das Unternehmen verlassen. In diesem Fall ist dann der zukunftsbezogene Wissens- und Technologietransfer, wie er von den chinesischen Investoren gewünscht wird, gescheitert.

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