Coronavirus-Pandemie wird sich auch auf die gewerblichen Gründungen auswirken

02.04.2020

IfM Bonn erwartet eine höhere Anzahl an Gründungen mit IT-basierten Geschäftskonzepten

Die Anzahl der gewerblichen Existenzgründungen ist im vergangenen Jahr – wie schon in den Vorjahren – geringfügig um 1,6% gesunken. Dies geht vor allem auf einen Rückgang bei den Gründungen im Kleingewerbe (- 3,0%) zurück. Dagegen stieg die Zahl der wirtschaftlich bedeutsameren Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen weiter leicht an (+ 1,1%). Mit einer solchen Gründung sind häufig neue Arbeitsplätze verbunden.

Insgesamt wurden 265.700 gewerbliche Gründungen in 2019 angemeldet. Zugleich sank die Zahl der gewerblichen Unternehmensschließungen gegenüber dem Vorjahr um 5,3% auf 275.600. Insgesamt hat sich der gewerbliche Existenzgründungssaldo – die Differenz aus Existenzgründungen und Unternehmensschließungen – im vergangenen Jahr deutlich verbessert.

"Es ist davon auszugehen, dass das Gründungsgeschehen in diesem Jahr aufgrund der Coronavirus-Pandemie weiter rückläufig sein wird – besonders jedoch in den Bereichen, in denen krisenbedingt die Nachfrage einbricht", erklärt Prof. Dr. Friederike Welter (IfM Bonn/Universität Siegen). "In welchem Ausmaß die Gründungsaktivitäten zurückgehen werden, hängt allerdings auch von der Dauer der akuten Krise ab: Werden die Einschränkungen ab Mai sukzessive wieder aufgehoben, werden sicherlich viele der geplanten Gründungsvorhaben zeitlich verzögert noch umgesetzt. Hält der Stillstand über mehrere Monate an, führt dies unter Umständen sogar zu verstärkten Gründungsaktivitäten, weil die Selbstständigkeit eine Alternative zur Arbeitslosigkeit darstellen kann."

Auch ohne die Folgewirkungen der Coronavirus-Pandemie würde nach Einschätzungen der IfM-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Anzahl der gewerblichen Gründungen in 2020 voraussichtlich weiter abnehmen, weil in einer Reihe von Gewerken wieder die Meisterpflicht eingeführt wurde und dadurch Existenzgründungen erschwert werden. Allerdings ist zukünftig eine höhere Anzahl an Gründungen mit IT-basierten Geschäftskonzepten bzw. digitalisierbaren Angeboten zu erwarten.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wird sich die Coronavirus-Pandemie-Krise auch auf die Überlebensraten neugegründeter Unternehmen auswirken: Bisher waren nach einem Jahr noch rund 78% aller Gründungen und nach fünf Jahren 40% von ihnen am Markt aktiv. Die Bestandsfestigkeit variiert jedoch in Abhängigkeit vom Wirtschaftszweig und von der Unternehmensgröße zum Gründungszeitpunkt. So überlebten bislang eher Gründungen mit Beschäftigten als solche ohne Mitarbeiter. Die krisenbedingten Nachfrageeinbrüche werden sich negativ auf die Bestandsfähigkeit von Gründungen auswirken.

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