Anzahl der gewerblichen Gründungen von Ausländern und Deutschen geht gleichermaßen zurück

21.10.2015

Anteil an volkswirtschaftlich bedeutsamen Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt

Die Anzahl gewerblicher Existenzgründungen ist im 1. Halbjahr 2015 in Deutschland weiter gesunken. Im Gegensatz zu den Vorjahren verteilt sich jedoch inzwischen die rückläufige Entwicklung nahezu gleichermaßen auf die deutschen und ausländischen Bürger. Nur das Gründungsverhalten der Bulgaren bleibt weiterhin auffällig: Wie schon in 2014 ist bei ihnen die Anzahl der gewerblichen Existenzgründungen besonders stark gesunken – nachdem ihr Anteil seit 2007 geradezu in die Höhe geschnellt war. "Dies spricht dafür, dass ein Großteil der bulgarischen Bürger ein Gewerbe zunächst nur zur Existenzsicherung gegründet hatte. Mit der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 1. Januar 2014 hat bei ihnen eine Umorientierung stattgefunden: Viele Bulgaren nehmen nun stattdessen eine abhängige Beschäftigung auf", berichtet Dr. Rosemarie Kay, stellvertretende Geschäftsführerin des IfM Bonn. Insgesamt wurden 158.800 gewerbliche Existenzen im 1. Halbjahr 2015 gegründet – 3,2 % weniger als im 1. Halbjahr 2014.

"Positiv ist sicherlich zu werten, dass mehr als jede vierte Gründung inzwischen die Betriebsgründung einer Hauptniederlassung ist. Diese Gründungen besitzen eine größere wirtschaftliche Bedeutung als beispielsweise Gründungen im Kleingewerbe. Letztere schaffen in der Regel keine Arbeitsplätze", erläutert Dr. Rosemarie Kay. Auch aus diesem Grund müsse das Gründungsgeschehen differenziert betrachtet werden – und dürfe nicht allein auf die Zahl der Existenzgründungen reduziert werden. "Man darf schließlich nicht vergessen, dass seit Jahren die wirtschaftliche Situation in Deutschland gut qualifizierten Erwerbsfähigen hervorragende Chancen bietet, eine abhängige Beschäftigung zu finden", so die Wissenschaftlerin, die seit vielen Jahren das Gründungsgeschehen in Deutschland beobachtet.

Als positiv ist ihrer Ansicht nach auch zu bewerten, dass die Anzahl der Unternehmensaufgaben auf 166.400 (-7,2 %) gesunken ist. Auch wenn der sogenannte "Gründungssaldo", die Differenz aus Gründungen und Schließungen, weiterhin im negativen Bereich (-7.700) liegt, hat sich der Wert dennoch deutlich gegenüber dem Vorjahreszeitraum (-15.200) verbessert.

Für das gesamte Jahr 2015 erwartet das IfM Bonn, dass die Zahl der gewerblichen Existenzgründungen auf rund 300.000 zurückgehen wird und die der Schließungen auf rund 323.000.

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