Karrieren von "MINT"-Frauen erforschen

27.06.2017

Universität Siegen und IfM Bonn starten gemeinsames Forschungsprojekt

Frauen mit einer Ausbildung im so genannten "MINT"-Bereich machen im späteren Berufsleben vergleichsweise selten Karriere. Warum das so ist, erforschen nun Wissenschaftler der Uni Siegen und des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) gemeinsam im Projekt "MINTdabei".

Schülerinnen für eine Ausbildung oder ein Studium im naturwissenschaftlich-technischen Bereich motivieren – dazu gibt es in Deutschland zahlreiche Kampagnen und Initiativen. Wie sich junge Frauen mit MINT-Background im späteren Berufsleben schlagen, ist dagegen noch weitgehend unerforscht. "Häufig bleiben die Frauen in Unternehmen eher auf niedrigen Positionen. Seltener machen sie den Sprung in die Führungsebene oder wagen es, sich als Unternehmerinnen selbstständig zu machen", sagt Dr. Kerstin Ettl, Juniorprofessorin für unternehmerische Vielfalt und Management kleiner und mittlerer Unternehmen an der Universität Siegen. Im gerade gestarteten Forschungsprojekt "MINTdabei" erforschen Wissenschaftler der Universität und des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn gemeinsam Karrierewege von Frauen in MINT-Berufen. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

"Wir möchten uns anhand der Gespräche ein möglichst umfassendes Bild machen", erklärt Projekt-Koordinatorin Kerstin Ettl. "Mit Berufseinsteigerinnen werden wir ebenso sprechen, wie mit Frauen, die schon länger im Job sind. Neben Angestellten in mittelständischen Unternehmen werden wir auch Frauen befragen, die sich im MINT-Bereich selbstständig gemacht haben." Auch regionale Unterschiede sollen in der Studie berücksichtigt werden: Inwiefern unterscheiden sich die Karrierebedingungen der "MINT-Frauen" in ländlichen Regionen und in Großstädten? Etwa 70 Interviews sind insgesamt geplant. Sie sollen Aufschluss über die Karrierewege der Frauen geben: Welche Hindernisse mussten sie überwinden? Durch welche Faktoren wurden berufliche Entscheidungen beeinflusst? Gab es Vorbilder, an denen sie sich orientiert haben?

Das IfM Bonn unter Leitung der Siegener Professorin Friederike Welter steuert darüber hinaus eine quantitative Analyse bei. Die Bonner Forscher werten vorhandene Daten zur Situation von Frauen in MINT-Berufen aus – beispielsweise zu ihren Beschäftigungssituationen und Gehältern. "Im Zuge der Digitalisierung bieten sich für Frauen unendlich viele Karrierechancen", erläutert Professorin Welter. "Gleichzeitig gilt es aber auch, die Unternehmenslenker dafür zu sensibilisieren, dass ihnen mit den ausgebildeten MINT-Frauen hochqualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen. Das Forschungsprojekt ‚MINTdabei‘ ist daher genau zum richtigen Zeitpunkt initiiert worden."

Ziel des Projektes ist es, konkrete Lösungsansätze zur Stärkung der Selbst- und Fremdwahrnehmung von Frauen in MINT-Berufen zu entwickeln, sagt Projektmitarbeiterin Julia Schnittker: "Uns ist es wichtig, die Projektergebnisse anschließend auch in die Praxis zu bringen. Dazu werden wir uns immer wieder mit unseren Partnern auf Verbands- und Wirtschaftsebene austauschen und gemeinsam möglichst konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen erarbeiten." Zum Abschluss der auf drei Jahre angelegten Studie ist außerdem eine große Konferenz mit Teilnehmenden aus Wissenschaft und Wirtschaft in Siegen geplant.

zum Projekt "MINTdabei"