Was den Anteil weiblicher Führungskräfte tatsächlich erhöhen kann

06.03.2018

IfM Bonn: Keine signifikanten Unterschiede in der strategischen Unternehmensführung

Auch wenn in jüngster Zeit einzelne weibliche Vorstände im Fokus der Öffentlichkeit standen, sind Frauen weiterhin seltener als Männer in den obersten Etagen der Dax- und großen Familienunternehmen zu finden. So ist der Anteil der männergeführten Unternehmen mit einem Umsatz über 50 Millionen Euro dreimal so hoch wie der der frauengeführten. Weiterhin tragen sie vor allem als Unternehmerin oder Führungskraft in Kleinst- oder Kleinunternehmen Verantwortung.

Dabei zeigen sich im strategischen Führungsverhalten von Frauen und Männern keine signifikanten Unterschiede: "Beide müssen sich der Wettbewerbsintensität im jeweiligen Markt stellen, beide müssen auf die jeweiligen ökonomischen Rahmenbedingungen reagieren. Insofern ist auch die Annahme unkorrekt, dass bei frauengeführten Unternehmen der Fokus mehr auf sozialen, ökologischen oder nachhaltigen Zielen liege", erklärt Prof. Dr. Friederike Welter (IfM Bonn/Universität Siegen). Mittels einer Online-Befragung hatten die Wissenschaftler des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn das strategische Verhalten von männer- und frauengeführten Unternehmen untersucht. Einzige Ausnahme: Ein höherer Anteil an Unternehmerinnen und weiblichen Führungskräften als unter den männlichen Unternehmensverantwortlichen gab bei dieser Befragung an, Arbeitsplätze schaffen oder mindestens halten zu wollen.

Allerdings wirken sich weiterhin das soziokulturelle und politische Umfeld sowie (staatliche) Unterstützungsmaßnahmen im besonderem Maße auf die Gründungsbereitschaft und auf die unternehmerische Tätigkeit von Frauen aus. "Natürlich ist es für eine Frau in einer männderdominierten Kultur schwieriger, ein Unternehmen zu gründen, als in Staaten, in denen Frauen und Männer die gleichen Rechte besitzen. Ebenso müssen wir uns aber auch in den westlichen Demokratien davor hüten, frauengeführten Unternehmen in innovativen und hochtechnologischen Branchen mehr Beachtung zu schenken als Gründerinnen und Unternehmerinnen, die Produkte und Dienstleistungen für den Alltag anbieten", so die Präsidentin des IfM Bonn.

Dagegen tragen sowohl unternehmerische Vorbilder und Netzwerke als auch eine höhere Präsenz weiblicher Führungskräfte beispielsweise in Finanzinstituten nachweislich dazu bei, dass die Interessen von Gründerinnen und Unternehmerinnen konsequenter vertreten werden.