KMU suchen die finanzielle Unabhängigkeit

23.05.2018

Auch in wirtschaftlich prosperierenden Phasen investieren kleine und mittlere Unternehmen (KMU) weniger und unregelmäßiger als Großunternehmen. Dennoch leidet ihr wirtschaftlicher Erfolg nicht darunter – im Gegenteil: "Die KMU erhöhen so ihre Eigenkapitalquote und können zukünftige Investitionsprojekte weitestgehend aus Eigenmitteln bestreiten. Das erhöht nicht nur ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit, sondern spricht auch für Weitblick, da absehbar die Kapitalzinsen wieder steigen werden", berichtet Prof. Dr. Friederike Welter (IfM Bonn/Universität Siegen). "Auch ist es verständlich, wenn beispielsweise Kleinstunternehmen nur selten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren einen höheren Betrag investieren. Kaum ein kleiner Handwerksbetrieb wird schließlich jedes Jahr ein neues Firmenfahrzeug kaufen oder seine EDV-Anlage komplett austauschen."

Das Investitionsverhalten von Unternehmen in ökonomisch gut aufgestellten Regionen unterscheidet sich zudem nur wenig von der Investionsbereitschaft in weniger prosperierenden Gegenden. So belegt die Studie "Investitionsverhalten von kleinen und mittleren Unternehmen" auch, dass nach der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise in 2009 die KMU in allen Branchen und Regionen sehr gezielt auf eine Verringerung der Abhängigkeit von ihren Fremdkapitalgebern hingearbeitet haben. Mit Erfolg: Die Eigenkapitalquote von Klein- und Kleinstunternehmen liegt inzwischen auf der gleichen Höhe wie die der Großunternehmen.

"Auf keinen Fall beruht die Zurückhaltung der KMU bei den Investitionen auf fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte. Ein Unternehmen, das investieren will, hat aktuell gute Chancen, die neuen Projekte auch finanzieren zu können", so Prof. Dr. Friederike Welter. Aufgrund ihres hohen Cashflows sind die KMU allerdings deutlich besser in der Lage, ihre Verbindlichkeiten schneller zu tilgen als Großunternehmen.

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