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Veröffentlichungen des IfM
Fintechs wirken sich positiv auf die KMU-Finanzierung aus

Wettbewerbsdruck führt zu erhöhter Kooperations-bereitschaft von etablierten Banken mit Fintechs  

Auch wenn kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den vergangenen Pandemiemonaten notwendige Investitionen offenkundig vorrangig über Förderkredite bzw. ihre Hausbank finanziert haben, erwarten die Wissenschaftler des IfM Bonn, dass zukünftig den Fintechs bei der KMU-Finanzierung tendenziell eine größere Rolle zukommt: "Die digitale Kreditvergabe könnte im Zuge der Pandemie langfristig einen Schub erhalten haben, da viele KMU positive Erfahrungen mit Dienstleistungen gemacht haben, die ausschließlich digital stattfinden. Die Offenheit für eine Zusammenarbeit mit Fintechs ist hierdurch sicherlich gestiegen“, berichtet Dr. Jonas Löher. Gemeinsam mit seinem Team hat er die Chancen der digitalen Finanzierung für KMU sowie die Auswirkungen auf die Bankenlandschaft untersucht. Demnach hat sich die digitale KMU-Finanzierung besonders dort positiv entwickelt, wo sich Kreditvergabeprozesse mit Hilfe vergangenheitsbezogener Daten standardisieren bzw. digitalisieren lassen.

Von dieser Entwicklung profitieren kleine und mittlere Unternehmen mehrfach: Generell reduzieren sich ihre Suchkosten nach Finanzierungsanbietern, da digitale Finanzierungsplattformen oftmals Lösungen mehrerer Kreditgeber anbieten. Auch erhalten die KMU über Fintechs eher Kleinkredite und kurzfristige Betriebsmittelfinanzierungen als bei einer etablierten Bank – selbst wenn sie nicht die bankenüblichen Sicherheiten vorweisen können. Daneben bieten Fintechs den Unternehmen häufig auch innovative Analysetools, um die eigene Finanzsituation besser durchleuchten zu können. Dadurch können sie ihr Liquiditätsmanagement optimieren und Möglichkeiten der Innenfinanzierung verbessern. Zugleich hat der erhöhte Wettbewerbsdruck dazu geführt, dass etablierte Banken ihre Geschäftsprozesse hinterfragen und gezielt Kooperationen mit Fintechs eingehen. Vermehrt agieren sie dabei als Plattformen, die versuchen die Finanzierungslösungen der Fintechs in ihr Angebot zu integrieren. Entsprechend können KMU auch innerhalb bestehender Bankenbeziehungen von den neuen Angeboten profitieren.

Trotz ihrer zunehmenden Bedeutung in der Bankenlandschaft bleiben die Wachstumsbarrieren für Fintechs jedoch hoch: So besteht zwischen Hausbank und den KMU-Geschäftsführungen häufig eine langjährig gewachsene Vertrauensbasis, die noch immer entscheidend für die Wahl des Finanzierungspartners ist. Auch bei komplexeren beratungsintensiveren Finanzierungen wie etwa M&A-Aktivitäten und Expansionsgedanken, scheint die persönliche Beratung weiterhin den Algorithmus zu schlagen. Zudem sind insbesondere der digitalen Kreditvergabe dort Grenzen gesetzt, wo sich Risiken schwerlich mit Algorithmen berechnen lassen, wie dies beispielsweise bei jungen, innovativen Unternehmen der Fall ist.

Dennoch gehen die IfM-Wissenschaftler davon aus, dass die digitale Finanzierung zukünftig etwa im Zuge der steigenden Bedeutung der Blockchain Technologie eine größere Rolle bei der KMU-Finanzierung spielen wird. Ebenso dürften innovative Finanzierungsmethoden wie Pay-per-Use an Nachfrage gewinnen: Statt eine Maschine zu kaufen, zahlen die Unternehmen jeweils für deren Nutzung.

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