Die Quoten der Insolvenzgläubiger in Regel- und Insolvenzplanverfahren - Ergebnisse von Insolvenzverfahren nach der Insolvenzrechtsreform

Die Reform des Insolvenzrechts im Jahre 1999 zielte darauf, die Befriedigungsquoten der Insolvenzgläubiger zu verbessern und mehr insolventen Unternehmen eine Unternehmensfortführung zu ermöglichen. Eine Bewertung der Reform war bislang mangels repräsentativer Daten nur schwer möglich. Mit einer Sonderauswertung der beim Landesbetrieb IT.NRW eingegangenen Ergebnismeldungen für Insolvenzverfahren der Jahre 2002 bis 2007 steht dem IfM Bonn nun erstmals eine geeignete Datenbasis zur Verfügung. In die Analyse gingen 15.000 Regelverfahren mit Schlussverteilung ein.

Unberücksichtigt blieben Verfahren, die bereits im Vorfeld mangels Masse abgelehnt wurden. Hier einige ausgewählte Ergebnisse zu den Befriedigungsquoten der Insolvenzgläubiger: Bei 63 % der betrachteten Regelverfahren war zum Verfahrensende keine verteilbare Masse mehr vorhanden, die Gläubiger gingen in der Schlussverteilung also leer aus.

Gründe dafür, dass vom Vermögen am Ende nichts mehr übrig blieb, sind z.B. in dem fortgeschrittenen Vermögensverzehr bei Antragstellung, der Höhe der Verfahrenskosten oder dem Abzug der vorrangig zu bedienenden Forderungen zu sehen. In den verbleibenden 37 % der Verfahren reichte die im Rahmen der Schlussverteilung zu verteilende Masse lediglich dazu aus, durchschnittlich 5,4 % der offenen Forderungen der nicht bevorrechtigten Insolvenzgläubiger zu befriedigen. Bezogen auf alle betrachteten Verfahren liegt die mittlere Befriedigungsquote damit bei nur 3,6 %. Verglichen mit einer Quote von knapp 5 % vor der Reform des Insolvenzrechts sind in Hinsicht auf die Befriedigungsquoten der Insolvenzgläubiger keine Verbesserungen feststellbar. Anders sieht die Situation bei Insolvenzplanverfahren aus, die allerdings nur 1 % der Insolvenzfälle ausmachen. Auch wenn hier aufgrund geringer Fallzahlen nur Näherungswerte berechnet werden konnten, lag die Deckungsquote bei Einzelunternehmen im Durchschnitt bei 13 % der Forderungen, bei Gesellschaften sogar bei gut 60 % und damit deutlich über den Werten des Regelverfahrens.

Kranzusch, P.; Icks, A. (2009): Die Quoten der Insolvenzgläubiger in Regel- und Insolvenzplanverfahren - Ergebnisse von Insolvenzverfahren nach der Insolvenzrechtsreform, in: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): IfM-Materialien Nr. 186, Bonn.

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