Analyse eines Vorschlags zur Reform der deutschen Arbeitslosenversicherung

Die fehlende Internalisierung der sozialen Kosten stellt einen Anreiz dar, im volkswirtschaftlichen Sinne suboptimal häufig Entlassungen vorzunehmen und die Folgekosten auf die Beitragszahler abzuwälzen. Unternehmen, die dagegen nur selten Mitarbeiter entlassen, werden mittels steigender Abgabensätze indirekt mit einer steuerähnlichen Zwangsabgabe belegt. In dieser Arbeit wird ein Reformvorschlag zur Arbeitslosenversicherung auf seine Effekte auf Unternehmen verschiedener Beschäftigtengrößenklassen hin untersucht. Der Vorschlag befreit die Arbeitgeber von den Versicherungsbeiträgen und verpflichtet sie stattdessen zu einer (bis zu) zwölfmonatigen Lohnfortzahlung, etwa in der Höhe des bisherigen Arbeitslosengeldes. Das Versicherungsmodel US-amerikanischer Bundesstaaten ("experience rating") wird als Alternative vorgestellt.

Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass der diskutierte Reformvorschlag Großunternehmen im Vergleich zu kleineren Unternehmen begünstigt. Der Break-Even Point, ab dem der untersuchte Reformvorschlag die Unternehmen besser stellt als die aktuelle deutsche Arbeitslosenversicherung, liegt je nach Höhe des Arbeitslosengeldes zwischen 5,4 und 22 Mitarbeitern. Im Vergleich zu dem diskutierten Reformvorschlag, der eine komplette Risikoüberwälzung auf den Arbeitgeber vorsieht, greift das US-amerikanische "experience rating" auf eine Mischform zurück. Die Autoren entwickeln auf der Basis beider Alternativen ein eigenes Model in Anpassung an die deutschen Verhältnisse und unter Beachtung der Besonderheiten kleiner und mittlerer Unternehmen.

Holz, M.; Hauser, H.-E. (2000): Analyse eines Vorschlags zur Reform der deutschen Arbeitslosenversicherung, in: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): Jahrbuch zur Mittelstandsforschung 1/2000, Schriften zur Mittelstandsforschung Nr. 87 NF, Wiesbaden, S. 1-89.

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