Selbstständige in der Grundsicherung

Seit Inkrafttreten des Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (Hartz IV) im Jahr 2005 ist eine nahezu stetige Zunahme der Selbstständigen, die Grundsicherung beziehen, zu beobachten. Das IfM Bonn hat sich daher im Rahmen einer Studie mit der Situation von Selbstständigen, die zusätzlich zum Einkommen aus ihrer Erwerbstätigkeit noch Mittel aus der Grundsicherung beziehen, näher auseinandergesetzt.

Der Anteil der selbstständig erwerbstätigen ALG II-Bezieher an allen Selbstständigen ist von 1,7% im Jahr 2007 auf 2,9% im Jahr 2010 angestiegen. Die Ursachen für die dynamische Entwicklung bei den selbstständigen ALG II-Beziehern sind nicht in der Änderung der Rechtsnorm, sondern in der Entwicklung der Einkommen der Selbstständigen und der so genannten Habitualisierung zu sehen. So verfügten im Jahr 2010 rd. 270.000 Selbstständige noch nicht einmal über 500 € netto im Monat, wobei die Transferleistungen bereits eingeschlossen waren. 26,5% aller Selbstständigen (rd. 950.000 Personen) hatten ein monatliches Nettoeinkommen von unter 1.100 €. Die Habitualisierung, d. h. die zunehmende Erfahrung mit der Gewährung und Inanspruchnahme staatlicher Leistungen, könnte aus den Fördermaßnahmen für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit resultieren. Immerhin haben 1,7 Mio. Arbeitslose diese Fördermaßnahmen seit 2003 in Anspruch genommen. Der Habitualisierungsthese wird in weiteren Forschungen nachgegangen.

May-Strobl, E.; Pahnke, A.; Schneck, S.; Wolter, H.-J. (2011): Selbstständige in der Grundsicherung, in: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): Working Paper 02/11, Bonn.

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