Mittelstand unterwegs in globalen Wertschöpfungsketten

10.01.2017

IfM Bonn empfiehlt Zulieferern Diversifikations- und Innovationsstrategien zu verfolgen

Mittelständische industrielle Zulieferer profitieren von der Mitwirkung in globalen Wertschöpfungsketten. Sie partizipieren nicht nur an den Absatz- und Wachstumschancen für das jeweilige Endprodukt, sondern können auch Ressourcenbeschränkungen überwinden, Verbundforschung betreiben und sich zugleich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Allerdings fühlen sich insbesondere kleinere und wenig diversifizierte Familienunternehmen oftmals einem hohen Wettbewerbsdruck seitens börsennotierter Endhersteller ausgeliefert, die sie kontinuierlich zu Kostensenkungen und zur Übernahme von Innovationsleistungen drängen.

"Mittelständische Unternehmen empfinden die Zusammenarbeit mit den großen Endherstellern mitunter als belastend - nicht zuletzt, weil ihre eigene Unternehmenskultur in der Regel auf Vertrauen, Partnerschaft und Langfristigkeit beruht. Besonders ausgeprägt ist dieser Gegensatz in der Automobilindustrie, wie unsere Befragung gezeigt hat", berichtet Hans-Jürgen Wolter. Unter seiner Leitung hatten Wissenschaftler des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn und der Universität Siegen die Auswirkungen der Kooperation in globalen Wertschöpfungsketten für mittelständische Unternehmen untersucht. Demnach ist die Abhängigkeit eines Zulieferers tendenziell größer, wenn er nur wenige Abnehmer beliefert und wenn die von ihm hergestellten Produkte technologisch wenig anspruchsvoll oder sehr kundenspezifisch sind.

In mehreren zulieferrelevanten Wirtschaftssektoren sind Konzentrationstendenzen zu beobachten. Diese sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Endhersteller zur Reduzierung von Koordinationskosten mit weniger und größeren Zulieferern kooperieren wollen. Verstärkt werden diese Tendenzen durch den Internationalisierungsdruck. Wichtige Zulieferer werden zum Aufbau von Produktionskapazitäten im Ausland gedrängt, wenn ihre Produkte beispielsweise nicht auf Grund hoher Logistikkosten, Lieferschwierigkeiten oder bestehender Handelshemmnisse eingeführt oder von anderen (lokalen) Zulieferern bereitgestellt werden können.

Darüber hinaus sehen sich die Zulieferer aufgrund der zunehmenden Digitalisierung seit geraumer Zeit gezwungen, vermehrt in neue (digitale) Technologien zu investieren, um ihre Produkte und Produktionsanlagen an die IKT-Vorgaben der Wertschöpfungskette anzupassen und auf veränderte Marktbedingungen und Kundenpräferenzen reagieren zu können. "Kleinere Unternehmen, die das nicht leisten können, werden in zunehmendem Maße von größeren Zulieferern übernommen oder treten aus dem Markt aus", berichtet Hans-Jürgen Wolter. Gleichwohl sieht er die Zulieferer nicht schutzlos den aktuellen Entwicklungen ausgeliefert: Um Abhängigkeiten zu verringern, empfiehlt er, möglichst innovative und hochwertige Produkte zu entwickeln. Auch sollten die Zulieferer ihren Abnehmerkreis diversifizieren und versuchen, in mehreren Wertschöpfungsketten unterschiedlicher Branchen mitzuwirken. Ziel der Unternehmen müsse es sein, die spezifischen Vorteile mittelständischer Unternehmen wie Flexibilität, Zuverlässigkeit und besondere Kundennähe auch unter den neuen Bedingungen zur Geltung zu bringen.

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