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Ausgabe 1/2026 / 11. März 2026

Foto Prof. Dr. Welter

Editorial

Kann mit KI der Fachkräftemangel gelöst werden?

Liebe Abonnentinnen, liebe Abonnenten,

zweifellos nimmt die künstliche Intelligenz (KI) im Alltag des Mittelstands eine immer größere Rolle ein. So hat der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen, die KI nutzen, in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Noch werden vorrangig Routinetätigkeiten durch KI ersetzt. Wie sich dies zukünftig ändern wird, können Sie im Beitrag "KI beeinflusst zunehmend den Fachkräfte-Einsatz" lesen.

Viele interessante Einblicke in unsere Forschungstätigkeit wünscht Ihnen

Ihre

Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter
Präsidentin des IfM Bonn


Zunehmende Digitalisierung und KI-Affinität in den KMU

Die digitale Transformation schreitet in Deutschland in den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) voran: Im vergangenen Jahr wies jedes dritte KMU eine "hohe" bis "sehr hohe" digitale Intensität auf. Das heißt, sie haben mindestens 7 von 12 Maßnahmen des Digital Intensity Index ergriffen, die sich sowohl auf den E-Commerce, die IKT-Sicherheit und Technologien der Künstlichen Intelligenz als auch auf die Beschäftigung von Spezialisten bzw. IKT-Schulungen für die Beschäftigten beziehen.

Digitale Intensität im EU-Vergleich (2025)

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Insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Cloud Computing hat in den vergangenen Jahren in den kleinen und mittleren Unternehmen an Fahrt gewonnen: Rund jedes vierte KMU nutzt inzwischen KI, mehr als jedes zweite Unternehmen kostenpflichtige IT-Dienstleistungen aus der virtuellen Cloud.

► Statistik "Digitalisierung im EU-Vergleich"


KI beeinflusst zunehmend den Fachkräfte-Einsatz

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Aktuell wird in mittelständischen Unternehmen Künstliche Intelligenz vor allem über niedrigschwellige Standardlösungen für Routineaufgaben eingesetzt. Dies entlastet Beschäftigte, auch können so Stellenbesetzungsprobleme reduziert werden. Der zunehmende Wettbewerbsdruck wird jedoch zukünftig dazu führen, dass KI ergänzend eingesetzt wird, um menschliche Fähigkeiten zu erweitern und neue Formen der Leistungserbringung zu ermöglichen. Unternehmerinnen und Unternehmer sollten daher so früh wie möglich ihre Beschäftigten entsprechend schulen und Tätigkeitsprofile anpassen.

► Studie "KI und Fachkräfte"


KMU-Barometer zeigt positive Tendenz

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Laut aktuellem KMU-Barometer des IfM Bonn hat sich die wirtschaftliche Situation der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowohl in Deutschland als auch im Euroraum im 4. Quartal 2025 leicht verbessert. Einzige Ausnahme: In Deutschland ist die Investitionstätigkeit der KMU geringfügig gesunken.

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Sowohl im Euroraum als auch in Deutschland bleibt der Fachkräftemangel die größte Herausforderung für die KMU. Dahinter folgen "Kundengewinnung", "Produktions- und Arbeitskosten" sowie "Regulierung".

► KMU-Barometer

Kennen Sie schon unsere Themendossiers?

Das IfM Bonn bietet auf seiner Internetseite eine Vielfalt an Informationen rund um den Mittelstand – von Studienergebnissen, über statistische Daten bis hin zu Standpunkten, Podcasts und Youtube-Videos. In den Themendossiers sind einzelne Schwerpunktthemen so aufbereitet, dass Sie einen kompakten Überblick über die Forschungsergebnisse des IfM Bonn in den jeweiligen Bereichen erhalten.

Aktualisierte IfM-Statistiken

In den vergangenen Wochen wurden folgende Statistiken auf der Internetseite des IfM Bonn aktualisiert:

Forschung und Entwicklung
Eigenkapitalquote
Digitalisierung der KMU im EU-Vergleich

Vorschau:

Im Forschungsnewsletter 2/2026 können Sie u. a. lesen,

mit welchen Herausforderungen der Mittelstand aktuell konfrontiert ist,
wie KMU und Hochschulen gemeinsam Innovationen generieren und
inwiefern sich Unternehmensaustritte regional unterscheiden.

Der Newsletter wird am 15. Juni 2026 versandt.

Aktuelles aus dem IfM Bonn


"Innovationen im Mittelstand" – ein Schwerpunkt im EFI-Jahresgutachten 2026

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v.r. Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter, Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph M. Schmidt, Prof. Dr. Carolin Häussler, Bundeskanzler Friedrich Merz, Prof. Dr. Irene Bertschek, Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, Prof. Dr. Joachim Henkel, Prof. Dr. Guido Bünstorf. Fotorechte: Linda Köhler-Sandring.

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), der auch Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter angehört, hat am 11. Februar ihr neues Jahresgutachten an Bundeskanzler Friedrich Merz übergeben. Ein Schwerpunktthema sind darin die "Innovationen im Mittelstand". Demnach erfreut sich beispielsweise die Forschungszulage, die in 2020 eingeführt wurde, großer Beliebtheit unter den mittelständischen Unternehmen. Um die Wirksamkeit dieser Innovationsförderung weiter zu erhöhen, empfiehlt die EFI-Kommission den Antragsprozess zu vereinfachen und Bürokratie konsequent zurückzubauen. Auch müsse die im Koalitionsvertrag beschlossene Work-and-Stay-Agentur nun umgesetzt werden, damit qualifizierte Fachkräfte leichter einwandern können.

► EFI-Jahresgutachten 2026


IfM-Präsidentin berät in 2026 europäische Generaldirektion

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Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter ist von der europäischen Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU für 2026 zur DG Grow Fellow ernannt worden. Gemeinsam mit weiteren 9 europäischen renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterstützt sie die Generaldirektion in den kommenden Monaten mit ihrem fachlichen, evidenzbasierten Rat.

► DG GROW Fellowship Programm


Policy Brief: Neue Veröffentlichungen
Innovationen spielen für Unternehmen eine große Rolle. In seinem Policy Brief "Berufliche Bildung im Kontext von Innovationen – Spielt die Unternehmensgröße eine Rolle?" legt Dr. Jörg Thomä (ifh Göttingen) dar, warum berufliche Bildung nicht nur der Fachkräftesicherung dient, sondern auch die Innovationskraft der Betriebe stärkt.


Externe Veröffentlichungen

Was Unternehmerinnen und Unternehmer resilient macht

Können Unternehmerinnen und Unternehmer auf individuelles Sozialkapital und funktionierende Netzwerke zurückgreifen und sind sie zudem psychisch und emotional stabil, dann fällt es ihnen prinzipiell leichter, plötzliche Störungen und Krisen durchzustehen. Gleichwohl wirken sich auch die Gegebenheiten im Unternehmen und das Unternehmensumfeld auf die Resilienz der Unternehmerinnen und Unternehmer aus. Zu diesem Forschungsergebnis kommen Siegrun Brink und Dr. Annette Icks in ihrem Beitrag "Im Auge des Sturms: Was macht Unternehmerinnen und Unternehmer resilient?".

Das Nachfolgegeschehen verändert sich

Nach Untersuchungen von Nadine Schlömer-Laufen, Olga Suprinovič und Markus Rieger-Fels steigt auf Grund des demografischen Wandels die Zahl der Familienunternehmen, die vor der Regelung ihrer Nachfolge stehen. In ihrem Beitrag "Research Note: Nachfolgegeschehen verändert sich" für die Zeitung "Recht der Familienunternehmen (RFamU)" zeigen sie zugleich auf, dass aufgrund der schlechteren Wirtschaftslage weniger Familienunternehmen aus Sicht der Nachfolgeinteressierten attraktive Übernahmekandidaten sind.

Warum Selbstständigkeit zu Spannungen in Beziehungen führt

Meinungsverschiedenheiten zwischen Partnern sind häufiger, wenn einer der Partner selbstständig ist. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Stefan Schneck in seinem Beitrag "Being the boss at work and at home – Self-employment and conflicts between partners", der in der Märzausgabe der Zeitschrift "Journal of Behavioral and Experimental Economics" erschienen ist.

Der Einfluss der Familie

Welche Rolle spielen Familienangehörige bei der Unterstützung von Unternehmerinnen? Wie wirken sich die kulturellen Gegebenheiten auf ihr Unternehmen aus? Diesen Fragen gehen Dr. Anna-Katharina Schaper (TU München), Prof. Dr. William B. Gartner (Babson College, Wellesley/USA) und Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter am Beispiel von chinesischen Unternehmerinnen nach. Ihr Beitrag "Holding up the sky together? Family support dynamics and gender in entrepreneurship in China" ist in "Entrepreneurship & Regional Development" erschienen.


Alfredo De Massis

Drei Fragen an ...

Prof. Dr. Alfredo De Massis

Professor an den Universitäten Chieti-Pescara (Italien) und IMD (Schweiz) und Mitglied im IfM Research Fellow Network

Was ist für Sie das Besondere am Mittelstand in Deutschland?

"Die Einzigartigkeit des deutschen Mittelstands beruht meinen Forschungen zufolge auf einer Kombination von sechs sich gegenseitig verstärkenden Merkmalen: einer starken Nischenorientierung, einer frühen Internationalisierung, einer Präferenz für Eigenfinanzierung, einer langfristigen strategischen Ausrichtung, starken Mitarbeiterbeziehungen und einer tiefen Verankerung in lokalen Gemeinschaften. Zusammen ermöglichen diese Eigenschaften bereits kleinen, familiengeführten Unternehmen, trotz begrenzter Ressourcen innovativ zu sein und global zu konkurrieren."

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme, die die Wirtschaftspolitik in der aktuellen Situation zur Unterstützung des Mittelstands ergreifen sollte? Welche Maßnahmen ist hierfür aus Ihrer Sicht vorbildhaft in Italien?

"Die wichtigste politische Priorität ist die Stärkung des Ökosystems – oder wie ich es nenne "unternehmerischen Familiengalaxie" – rund um die familiengeführten Unternehmen, anstatt sich nur auf Subventionen zu konzentrieren. In Deutschland unterstützen Institutionen wie Berufsbildungssysteme, lokale Banken und angewandte Forschungszentren mittelständische Unternehmen und ermöglichen langfristige Investitionen und Innovationen. Italien könnte von der Stärkung ähnlicher Mechanismen profitieren, insbesondere von engeren Verbindungen zwischen Universitäten, technischen Ausbildungssystemen und Familienunternehmen sowie von einem besseren Kapitalzugang für langfristiges Wachstum. Auch sollte die Politik die Unsicherheit und den Verwaltungsaufwand für mehrjährige Investitionen verringern, da die langfristigen Pläne von Familienunternehmen in hohem Maße von zuverlässigen Rahmenbedingungen abhängen. Schließlich können Regierungen die Wirkung verstärken, indem sie Kooperationsplattformen wie beispielsweise angewandte Forschungszentren, Clusterprogramme und Exportförderungsinitiativen mitfinanzieren, die familiengeführten kleineren Unternehmen dabei helfen, ihre Kompetenzen zu teilen und Talente zu finden, ohne dass sie dadurch ihre Kontrolle aufgeben."

Als wie resilient sehen Sie derzeit die Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland und in Italien an?

"Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland und Italien sind sehr widerstandsfähig, wenngleich ihre Widerstandsfähigkeit auf unterschiedlichen Stärken beruht: Deutsche Unternehmerinnen und Unternehmer profitieren von einem sehr starken industriellen Ökosystem – einschließlich Berufsbildungssystemen –, angewandten Forschungsinstituten und lokalen Bankennetzwerken, die langfristige Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit im Export unterstützen. Italienische Unternehmerinnen und Unternehmer agieren hingegen oft in einem fragmentierten institutionellen Umfeld, kompensieren dies jedoch durch bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit, Kreativität und starke familiäre Eigentumsstrukturen. In vielen Fällen zeigen italienische Familienunternehmen gerade deshalb außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit in Krisen, weil Eigentumsverhältnisse, Führung und Identität über Generationen hinweg eng miteinander verbunden bleiben. In beiden Ländern ist diese Kombination aus langfristiger Ausrichtung und unternehmerischem Engagement nach wie vor eine wichtige Quelle der Widerstandsfähigkeit in einer unsicheren Weltwirtschaft."

Veröffentlichungen von Professor Alfredo De Massis:

De Massis, A. et al. (2018): Innovation with limited resources: Management lessons from the German Mittelstand . Journal of Product Innovation Management, 35(1), 125-146.

De Massis A.; Rondi E. (2024): The Family Business Book. A roadmap for entrepreneurial families to prosper across generations . Pearson FT (Financial Times Series), Harlow, United Kingdom.

De Massis, A. et al. (2016): Innovation through tradition: Lessons from innovative family businesses and directions for future research . Academy of Management Perspectives, 30(1), 93-116.