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"Innovationen im Mittelstand" – ein Schwerpunkt im EFI-Jahresgutachten 2026
![[Grafik konnte nicht geladen werden.]](https://www.ifm-bonn.org/uploads/newsletter/NL202601/Linda Köhler-Sandring_EFI_Uebergabe_2026_angepasst.jpg) v.r. Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter, Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph M. Schmidt, Prof. Dr. Carolin Häussler, Bundeskanzler Friedrich Merz, Prof. Dr. Irene Bertschek, Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, Prof. Dr. Joachim Henkel, Prof. Dr. Guido Bünstorf. Fotorechte: Linda Köhler-Sandring.
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), der auch Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter angehört, hat am 11. Februar ihr neues Jahresgutachten an Bundeskanzler Friedrich Merz übergeben. Ein Schwerpunktthema sind darin die "Innovationen im Mittelstand". Demnach erfreut sich beispielsweise die Forschungszulage, die in 2020 eingeführt wurde, großer Beliebtheit unter den mittelständischen Unternehmen. Um die Wirksamkeit dieser Innovationsförderung weiter zu erhöhen, empfiehlt die EFI-Kommission den Antragsprozess zu vereinfachen und Bürokratie konsequent zurückzubauen. Auch müsse die im Koalitionsvertrag beschlossene Work-and-Stay-Agentur nun umgesetzt werden, damit qualifizierte Fachkräfte leichter einwandern können.
► EFI-Jahresgutachten 2026
IfM-Präsidentin berät in 2026 europäische Generaldirektion
Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter ist von der europäischen Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU für 2026 zur DG Grow Fellow ernannt worden. Gemeinsam mit weiteren 9 europäischen renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterstützt sie die Generaldirektion in den kommenden Monaten mit ihrem fachlichen, evidenzbasierten Rat.
► DG GROW Fellowship Programm
Policy Brief: Neue Veröffentlichungen
Innovationen spielen für Unternehmen eine große Rolle. In seinem Policy Brief "Berufliche Bildung im Kontext von Innovationen – Spielt die Unternehmensgröße eine Rolle?" legt Dr. Jörg Thomä (ifh Göttingen) dar, warum berufliche Bildung nicht nur der Fachkräftesicherung dient, sondern auch die Innovationskraft der Betriebe stärkt.
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Was Unternehmerinnen und Unternehmer resilient macht
Können Unternehmerinnen und Unternehmer auf individuelles Sozialkapital und funktionierende Netzwerke zurückgreifen und sind sie zudem psychisch und emotional stabil, dann fällt es ihnen prinzipiell leichter, plötzliche Störungen und Krisen durchzustehen. Gleichwohl wirken sich auch die Gegebenheiten im Unternehmen und das Unternehmensumfeld auf die Resilienz der Unternehmerinnen und Unternehmer aus. Zu diesem Forschungsergebnis kommen Siegrun Brink und Dr. Annette Icks in ihrem Beitrag "Im Auge des Sturms: Was macht Unternehmerinnen und Unternehmer resilient?".
Das Nachfolgegeschehen verändert sich
Nach Untersuchungen von Nadine Schlömer-Laufen, Olga Suprinovič und Markus Rieger-Fels steigt auf Grund des demografischen Wandels die Zahl der Familienunternehmen, die
vor der Regelung ihrer Nachfolge stehen. In ihrem Beitrag "Research Note: Nachfolgegeschehen verändert sich" für die Zeitung "Recht der Familienunternehmen (RFamU)" zeigen sie zugleich auf, dass aufgrund der schlechteren Wirtschaftslage weniger Familienunternehmen aus Sicht der Nachfolgeinteressierten attraktive Übernahmekandidaten sind.
Warum Selbstständigkeit zu Spannungen in Beziehungen führt
Meinungsverschiedenheiten zwischen Partnern sind häufiger, wenn einer der Partner selbstständig ist. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Stefan Schneck in seinem Beitrag "Being the boss at work and at home – Self-employment and conflicts between partners", der in der Märzausgabe der Zeitschrift "Journal of Behavioral and Experimental Economics" erschienen ist.
Der Einfluss der Familie
Welche Rolle spielen Familienangehörige bei der Unterstützung von Unternehmerinnen? Wie wirken sich die kulturellen Gegebenheiten auf ihr Unternehmen aus? Diesen Fragen gehen Dr. Anna-Katharina Schaper (TU München), Prof. Dr. William B. Gartner (Babson College, Wellesley/USA) und Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter am Beispiel von chinesischen Unternehmerinnen nach. Ihr Beitrag "Holding up the sky together? Family support dynamics and gender in entrepreneurship
in China" ist in "Entrepreneurship & Regional Development" erschienen.
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Prof. Dr. Alfredo De Massis
Professor an den Universitäten Chieti-Pescara (Italien) und IMD (Schweiz) und Mitglied im IfM Research Fellow Network
Was ist für Sie das Besondere am Mittelstand in Deutschland?
"Die Einzigartigkeit des deutschen Mittelstands beruht meinen Forschungen zufolge auf einer Kombination von sechs sich gegenseitig verstärkenden Merkmalen: einer starken Nischenorientierung, einer frühen Internationalisierung, einer Präferenz für Eigenfinanzierung, einer langfristigen strategischen Ausrichtung, starken Mitarbeiterbeziehungen und einer tiefen Verankerung in lokalen Gemeinschaften. Zusammen ermöglichen diese Eigenschaften bereits kleinen, familiengeführten Unternehmen, trotz begrenzter Ressourcen innovativ zu sein und global zu konkurrieren."
Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme, die die Wirtschaftspolitik in der aktuellen Situation zur Unterstützung des Mittelstands ergreifen sollte? Welche Maßnahmen ist hierfür aus Ihrer Sicht vorbildhaft in Italien?
"Die wichtigste politische Priorität ist die Stärkung des Ökosystems – oder wie ich es nenne "unternehmerischen Familiengalaxie" – rund um die familiengeführten Unternehmen, anstatt sich nur auf Subventionen zu konzentrieren. In Deutschland unterstützen Institutionen wie Berufsbildungssysteme, lokale Banken und angewandte Forschungszentren mittelständische Unternehmen und ermöglichen langfristige Investitionen und Innovationen. Italien könnte von der Stärkung ähnlicher Mechanismen profitieren, insbesondere von engeren Verbindungen zwischen Universitäten, technischen Ausbildungssystemen und Familienunternehmen sowie von einem besseren Kapitalzugang für langfristiges Wachstum. Auch sollte die Politik die Unsicherheit und den Verwaltungsaufwand für mehrjährige Investitionen verringern, da die langfristigen Pläne von Familienunternehmen in hohem Maße von zuverlässigen Rahmenbedingungen abhängen. Schließlich können Regierungen die Wirkung verstärken, indem sie Kooperationsplattformen wie beispielsweise angewandte Forschungszentren, Clusterprogramme und Exportförderungsinitiativen mitfinanzieren, die familiengeführten kleineren Unternehmen dabei helfen, ihre Kompetenzen zu teilen und Talente zu finden, ohne dass sie dadurch ihre Kontrolle aufgeben."
Als wie resilient sehen Sie derzeit die Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland
und in Italien an?
"Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland und Italien sind sehr widerstandsfähig, wenngleich ihre Widerstandsfähigkeit auf unterschiedlichen Stärken beruht: Deutsche Unternehmerinnen und Unternehmer profitieren von einem sehr starken industriellen Ökosystem – einschließlich Berufsbildungssystemen –, angewandten Forschungsinstituten und lokalen Bankennetzwerken, die langfristige Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit im Export unterstützen. Italienische Unternehmerinnen und Unternehmer agieren hingegen oft in einem fragmentierten institutionellen Umfeld, kompensieren dies jedoch durch bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit, Kreativität und starke familiäre Eigentumsstrukturen. In vielen Fällen zeigen italienische Familienunternehmen gerade deshalb außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit in Krisen, weil Eigentumsverhältnisse, Führung und Identität über Generationen hinweg eng miteinander verbunden bleiben. In beiden Ländern ist diese Kombination aus langfristiger Ausrichtung und unternehmerischem Engagement nach wie vor eine wichtige Quelle der Widerstandsfähigkeit in einer unsicheren Weltwirtschaft."
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