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Gründungen und Unternehmensschließungen

Das IfM Bonn erstellt basierend auf den Daten des Statistischen Bundesamtes regelmäßig Statistiken zu den gewerbeanzeigepflichtigen Gründungen und Liquidationen (Aufgaben) sowie zu den Insolvenzen. Daneben ermittelt das IfM Bonn auf der Basis der Steueranmeldungen der Gründer und Gründerinnen bei den Finanzämtern die Anzahl der Gründungen in den Freien Berufen sowie unter Land- und Forstwirten.

Eine Differenzierung zwischen einem Start-up und einer Gründung ist nach Ansicht des IfM Bonn nur zielführend, wenn ein Start-up als innovative und schnell wachsende Neugründung - und zwar ohne Einschränkung auf einen Sektor - verstanden wird.

Gewerbliche Existenzgründungen und Liquidationen

Ergebnisse für das Jahr 2020

Die Zahl der gewerblichen Existenzgründungen betrug im Jahr 2020 rund 235.000. Sie liegt damit um rund 31.000 bzw. 11,7% unter dem Vorjahreswert.

Bei den gewerblichen Liquidationen ist im Jahr 2019 ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr auf rund 224.000 zu verzeichnen (-18,9%). Der Rückgang bei den Liquidationen übersteigt damit den der Gründungen. Der gewerbliche Existenzgründungssaldo (Differenz aus Existenzgründungen und Liquidationen) lag folglich im Jahr 2020 im Positiven – bei rund 11.000 – und ist damit gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen.

Differenziert nach Meldeanlässen zeigt sich, dass der Positivsaldo auf Betriebsgründungen mit einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung und Übernahmen zurückzuführen ist. Nur im Bereich der "Echten" Kleingewerbe lag die Anzahl der Gründungen unter der der Schließungen. Aber auch in diesem Segment ist der Negativsaldo im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken.

Die Zahl der gewerblichen Nebenerwerbsgründungen lag im Jahr 2020 bei 290.000 und damit deutlich über der des Vorjahres (+9,9%). Insgesamt gründeten mehr Personen im Nebenerwerb als im Haupterwerb. Die Anzahl der Nebenerwerbsaufgaben sank dagegen im Vorjahresvergleich (-6,8%). Der Saldo aus Nebenerwerbsgründungen und -aufgaben (113.00) ist damit um 40.000 gegenüber 2019 gestiegen. Das ist ein fast doppelt so großer Zuwachs wie in den vier vorangegangenen Jahren.

 

Die Existenzgründungsintensität (Anzahl der Existenzgründungen je 10.000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter (18 bis unter 65 Jahren)) lag in Deutschland im Jahr 2020 bei 45,6 (2019: 51,6). In den Bundesländern gibt es weiterhin große Unterschiede zwischen den Existenzgründungsintensitäten. Insgesamt sank sie jedoch in 2020 in allen Bundesländern: am stärksten in Hamburg, Hessen, Bremen und Rheinland-Pfalz.

Unterschiedlich entwickelte sich das Gründungsgeschehen in den Wirtschaftszweigen: Im Baugewerbe sank die Anzahl der Existenzgründungen im Jahr 2020 um rund 12.000 (-23,6 %) im Vergleich zum Vorjahr, obwohl die Baukonjunktur aufgrund der gestiegenen Nachfrage eher einen Zuwachs an Gründungen hätte erwarten lassen. Ursächlich für den Rückgang sind hier sowohl Behinderungen bei der Einreise aus dem Ausland als auch die Änderung der Handwerksordnung. Auch im Gastgewerbe sank die Anzahl der Existenzgründungen deutlich, um rund 7.000 (-20,6 %), was Folge der pandemiebedingten Einschränkungen sein dürfte. Dagegen verzeichnet das Gesundheits- und Sozialwesen ein Plus an Existenzgründungen von 700 (21,3 %).

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft schlagen sich offensichtlich im gewerblichen Existenz- und Nebenerwerbsgründungs- und Liquidationsgeschehen nieder – jedoch weniger stark, als im Frühjahr 2020 befürchtet wurde. Da der Lockdown auch die Gewerbemeldungen in den Ämtern sowie die Verarbeitung zu einer Statistik beeinflusst, sind die Angaben für 2020 nur eingeschränkt mit den Vorjahresangaben vergleichbar, speziell im Hinblick auf die Bundesländer.

Weitere Ergebnisse für Deutschland

  • 35,6% der rund 658.700 Gewerbeanmeldungen galten im Jahr 2020 als Existenzgründung entsprechend der Definition des IfM Bonn. Im Jahr 2019 lag der Anteil der Existenzgründungen bei 39,5 %.

  • Jede dritte gewerbliche Existenzgründung (36,1 %) stellte im Jahr 2020 eine Betriebsgründung einer Hauptniederlassung dar (2019: 33,1%). Bereits seit 2004 beobachten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des IfM Bonn hier einen nahezu kontinuierlichen Anstieg.

  • Der Anteil der Kleingewerbegründungen an den gewerblichen Existenzgründungen lag im Jahr 2020 bei 51,9% (2019: 55,5%).

  • Nur noch 70,0% der Existenzgründungen im gewerblichen Bereich erfolgten 2020 in der Rechtsform eines Einzelunternehmens (2019: 72,8%). Dagegen ist der Anteil der Gründungen mit der Rechtsform der GmbH im Vorjahresvergleich auf 21,6% gestiegen (2019: 19,3%).

  • Der Anteil der Frauen an den gewerblichen Existenzgründungen von Einzelunternehmen lag im Jahr 2020 bei 30,7 % und damit in ähnlicher Höhe wie im Vorjahr (2019: 29,3%). Auch bei den gewerblichen Nebenerwerbsgründungen von Einzelunternehmen blieb der Frauenanteil nahezu konstant (2020: 40,3; 2019: 40,9%) Die Corona-Pandemie wirkt sich damit in ähnlicher Weise auf die geschlechterspezifische Gründungsneigung aus.

  • 40,7% der gewerblichen Existenzgründungen von Einzelunternehmen wurden im Jahr 2020 von Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit angemeldet, bei den gewerblichen Nebenerwerbsgründungen von Einzelunternehmen lag der Ausländeranteil stabil bei 13,5%. Damit ist der Anteil ausländischer Existenzgründer weiter gesunken und liegt unter dem bisherigen Höchstwert von 46,5% im Jahr 2013.

  • Bei den gewerblichen Liquidationen von Einzelunternehmen lag der Ausländeranteil im Jahr 2020 bei 31,4% und damit nur geringfügig unter dem Vorjahresniveau (33,6%).

Schätzung für das Jahr 2021

Wie sich das gewerbliche Gründungs- und Liquidationsgeschehen im Jahr 2021 entwickeln wird, hängt von der Dauer der Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens ab, die durch die Pandemie bedingt sind. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Themendossier "Coronaviruspandemie". 

Tabellen zu gewerblichen Existenzgründungen und Liquidationen

Wählen Sie ein Merkmal und die gewünschte Differenzierung aus! Die entsprechende Tabelle steht als pdf-Datei zur Verfügung.

MerkmalDifferenzierung
Aktuelle Kennzahlen zu gewerblichen Gründungen und LiquidationenDNRW       
Zeitreihen         
Existenzgründungen, Liquidationen (Aufgaben)DBLWZRFSTRBL-STRM/FNATBES-GRKL
Nebenerwerbsgründungen und NebenerwerbsaufgabenDBLWZ   M/F   
ExistenzgründungsintensitätDBL       
LiquidationsquoteDBL        


D = Deutschland; NRW = Nordrhein-Westfalen; BL = Bundesländer; WZ = Wirtschaftszweige; RF = Rechtsform; STR = Struktur; BL-STR = Bundesländer Struktur; M/F = Geschlecht ; NAT = Staatsangehörigkeit; BES-GRKL = Beschäftigtengrößenklassen

Aktualisierung

Endgültige Daten für das 1. Halbjahr 2021 voraussichtlich im August 2021.

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Researcher Peter Kranzusch

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