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Pressemitteilung Familienunternehmen zwischen Resilienz und Risikobereitschaft

Auf dem International Roundtable on SMEs diskutierten Wissenschaft, Wirtschaft und Politik über die Zukunft des Mittelstands

Ist das Thema "Künstliche Intelligenz" bereits in den mittelständischen Unternehmen angekommen? Wie resilient ist der Mittelstand in Deutschland? Wie gehen die Unternehmen mit den finanziellen Herausforderungen um? Über diese und andere Fragen diskutierten heute im Rahmen des International Roundtable on SMEs rund 23 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft mit internationalen Entrepreneurshipforscherinnen und -forschern.

"Sich mit der Zukunft des Mittelstands zu beschäftigen, heißt, sowohl die aktuellen Herausforderungen zu betrachten, als auch das, was Unternehmertum attraktiv macht, erfolgreiche Nachfolge ermöglicht und die nachfolgenden Generationen zur Selbstständigkeit ermutigt. Und da die Entwicklungen aktuell in vielen Staaten ähnlich sind, ist es sinnvoll, sich international auszutauschen" legte Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Welter (IfM Bonn/Universität Siegen) in ihrer Einführung dar.

Risikobereitschaft schafft Wachstumsperspektiven

Obwohl Familienunternehmerinnen und -Unternehmer bzw. Eigentümerinnen und Eigentümer, die ein KMU leiten, häufiger als Gründerinnen und Gründer im Mittelstand (10,3 % gegenüber 5,6 %) in hochtechnologieintensiven Branchen tätig sind und auch mehr Produkt- oder Dienstleistungsinnovationen für den globalen Markt anbieten, setzen sie den Aussagen von Armin Baharian (RKW Kompetenzzentrum) zufolge seltener Künstliche Intelligenz (KI) ein. Entsprechend schätzen aktuell mehr Gründerinnen und Gründer im Mittelstand die allgemeinen Wachstumsaussichten ihres Unternehmens besser als vor einem Jahr ein als Familienunternehmerinnen und -unternehmer sowie Eigentümerinnen und Eigentümer, die ein KMU leiten. "Die Daten des Global Entrepreneurship Monitors Deutschland 2025/26 zeigen, dass mittelständische Unternehmen zukünftig eine noch stärkere Wachstumsdynamik erzielen können, wenn die Inhaberinnen und Inhaber, ihre Geschäftsmodelle mit Künstlicher Intelligenz verbinden", erklärte der RKW-Wissenschaftler.

Prinzipiell spielt die Widerstandsfähigkeit für Familienunternehmen aufgrund ihrer langfristigen Ausrichtung und ihres Strebens nach generationenübergreifender Kontinuität eine wichtige Rolle. Nach Untersuchungen der Bergischen Universität Wuppertal hängt die Resilienz aber nicht nur von den Ressourcen ab, die den Unternehmen zur Verfügung stehen, sondern auch von der Fähigkeit, diese Ressourcen zu mobilisieren und zu übertragen. "Die Einbindung der Familie kann einerseits selbst Krisen auslösen, andererseits aber gerade in Krisenzeiten eine wichtige Ressource darstellen", berichtete Prof. Dr. Julia de Groote (Bergische Universität Wuppertal).

Etablierte Finanzierungsformen auf dem Prüfstand

Traditionell finanzieren mittelständische Unternehmen in Deutschland Investitionsvorhaben über Kredite ihrer Hausbanken. Prof. Dr. Marc Cowling (Oxford Brookes Business School) hat für Großbritannien untersucht, wie viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Kreditangebote seit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abgelehnt haben – und sich damit selbst vom Kreditmarkt ausgeschlossen haben? Zugleich ging er u.a. den Fragen nach, wie viele KMU aktuell im Vereinigten Königreich bereit sind, bei Investitionen Risiken einzugehen und ob Fintechs das Allheilmittel sein können. Die Ergebnisse zeigen, dass kleine Unternehmen am ehesten bereit sind, Investitionsrisiken einzugehen. Allerdings stellen die unternehmerischen Ablehnungsquoten bei Kreditangeboten ein größeres Problem darstellen als die Ablehnung von Kreditanträgen durch Banken – nicht zuletzt, weil die Angebote der Fintech-Unternehmen kein Allheilmittel für die Lösung der Finanzierungsprobleme sind. 

Nach Untersuchungen des IfM Bonn könnte sowohl die Förderung von Netzwerken weiblicher Business Angels als auch die Stärkung der Kontakte zwischen weiblichen Business Angels und Gründerinnen zu besseren Finanzierungs-Chancen für Startups führen, die von Frauen geführt werden. Dr. Julia Mokhtar zeigte in ihrem Vortrag auf, dass unter 6.575 deutschen Start-ups, die zwischen 2014 und 2025 gegründet wur-den, Frauen geführte Teams 8,9 % weniger Kapital erhielten als Männer geführte Teams. Gleichwohl investierten weibliche Business Angels mit einer um 9 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit in von Frauen gegründete Start-ups.