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Gründungen und Unternehmensschließungen

Das IfM Bonn erstellt basierend auf den Daten des Statistischen Bundesamtes regelmäßig Statistiken zu den gewerbeanzeigepflichtigen Gründungen und Liquidationen (Aufgaben) sowie zu den Insolvenzen. Daneben ermittelt das IfM Bonn auf der Basis der Steueranmeldungen der Gründer und Gründerinnen bei den Finanzämtern die Anzahl der Gründungen in den Freien Berufen sowie unter Land- und Forstwirten.

Eine Differenzierung zwischen einem Start-up und einer Gründung ist nach Ansicht des IfM Bonn nur zielführend, wenn ein Start-up als innovative und schnell wachsende Neugründung - und zwar ohne Einschränkung auf einen Sektor - verstanden wird.

Unternehmensinsolvenzen

Ergebnisse für das Jahr 2020

Laut Insolvenzstatistik des Statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2020 in Deutschland 15.841 Unternehmen Insolvenz angemeldet – rund 2.900 (-15,5%) weniger als in 2019. Insolvenzen stellen eine Form der Unternehmensschließung dar. Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen umfasst auch die Insolvenzen von Einzelunternehmen, nicht jedoch die von ehemals Selbstständigen. Im gewerblichen Sektor wurden im vergangenen Jahr rund 225.000 Unternehmen geschlossen, in den Freien Berufen dürften einige Zehntausend die Selbstständigkeit aufgegeben haben. Über 90 % aller Unternehmensschließungen werden somit nicht aufgrund einer Insolvenz vorgenommen. Wird die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ins Verhältnis zum Unternehmensbestand gesetzt, ergibt sich für 2020 eine Quote der insolventen Unternehmen von nur noch 4,8 je 1.000 Unternehmen.

Der Rückgang der Insolvenzverfahren hat im Wesentlichen zwei Ursachen: Zum einen die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis 30.9.2020 für Unternehmen in Form einer Kapitalgesellschaft, die aufgrund der Corona-Pandemie zahlungsunfähig wurden oder in die Überschuldung gerieten. Diese Aussetzung wurde im Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 in abgeschwächter Form verlängert. Auch für Unternehmen, in denen eine Auszahlung von Überbrückungshilfen aussteht, gilt keine Insolvenzantragspflicht. Zum anderen änderten sich für natürliche Personen im Sommer 2020 die Rahmenbedingungen für eine Restschuldbefreiung. Zu diesem Personenkreis zählen u.a. ehemals und aktive Selbstständige, die ihr Unternehmen in Form eines Einzelunternehmens oder als Beteiligung an einer Personengesellschaft führen. Voraussetzung für eine Restschuldbefreiung ist ein Insolvenzantrag. Am 1.7.2020 wurde angekündigt, dass ab dem Antragsmonat Oktober 2020 die Wohlverhaltensphase, die bis zur Restschuldbefreiung absolviert werden muss, auf 3 Jahre halbiert wird. In Folge dessen stellte dieser Personenkreis im zweien Halbjahr 2020 deutlich weniger Insolvenzanträge.

Bezogen auf das Gesamtjahr sank die Zahl der Anträge von Einzelunternehmen auf rund 4.900 (- 29,1 %) und die der Personengesellschaften auf 1.180 (-12,6 %). Für Unternehmen in der Rechtsform der GmbH wurden 2020 mit 9.420 Anträgen zwar ebenfalls weniger Insolvenzverfahren als 2019 beantragt, der Rückgang lag aber bei nur 6,3 %. Im Übrigen sank auch die Anzahl der Insolvenzverfahren von ehemals Selbstständigen, die nicht zu den Unternehmensinsolvenzen zählen, aber ebenfalls eine Restschuldbefreiung beantragen können, im vergangenen Jahr deutlich: um 25,8 % auf rund 13.700.  

Detaillierte Aussagen über den Anteil der Unternehmensinsolvenzen im Mittelstand oder unter den kleinen und mittleren Unternehmen sind nicht möglich. Die in der amtlichen Statistik ausgewiesenen Beschäftigtengrößenklassen entsprechen nicht den Schwellenwerten der KMU-Definitionen. Mehrheitlich gehören insolvente Unternehmen zu den Kleinstunternehmen. Bei den kleinen Unternehmen sank die Anzahl der Insolvenzanträge im Vergleich zum Vorjahr, während die Anzahl der Anträge für Unternehmen mit über 100 Beschäftigten auf 293 stieg (+38,2 % gegenüber 2019). Insgesamt 150 Insolvenzanmeldungen betrafen Unternehmen mit über 50 Mio. € Jahresumsatz (2019: 100 Unternehmen). Somit ist in 2020 die Insolvenzgefährdung bei größeren Unternehmen deutlich gestiegen. Das ist insofern bemerkenswert, als für die Unternehmen, die von der Corona-Pandemie betroffen sind und in Form einer Kapitalgesellschaft geführt werden, keine strikte Insolvenzantragspflicht bestand. Es gibt demnach weitere Insolvenzursachen, wie z.B. Branchenkrisen. 

Sanierungen: Nutzung von Eigenverwaltungsverfahren deutlich gestiegen  

Unternehmen mit eröffnetem Insolvenzverfahren können seit 1999 zur Sanierung ihrer Unternehmen die beiden Fortführungsinstrumente "Insolvenzplan" oder "Eigenverwaltung" und seit dem Jahr 2012 auch im Vorverfahren die Eigenverwaltung bzw. das sogenannte "Schutzschirmverfahren" nutzen. In der gegenwärtigen Krise wurden – wie während der Dotcom-Krise 2001/2002 und der Finanzkrise 2008/2009 – mehr Verfahren in Eigenverwaltung eröffnet. In 2020 wurden 382 Eigenverwaltungen durch den Schuldner genehmigt (2019: 302). Doch wurde die Eigenverwaltung weiterhin lediglich in 3 % aller eröffneten Insolvenzverfahren angewendet. Vor allem Unternehmen in der Rechtsform der GmbH wählen diese Verfahrensvariante. Die überwiegende Mehrheit der zahlungsunfähigen Unternehmen sind jedoch Einzelunternehmen. Für sie ist die Eigenverwaltung weder ein passendes Instrument für eine Verfahrens- noch für eine Unternehmensfortführung.

Tabellen zu Unternehmensinsolvenzen

Wählen Sie ein Merkmal und die gewünschte Differenzierung aus! Die entsprechende Tabelle steht als pdf-Datei zur Verfügung.

MerkmalDifferenzierung
InsolvenzenDBLWZRFALTGrKlWZ/GrKlBesch/WZ
Quote der insolventen UnternehmenDBLWZ     
EigenverwaltungD  RF    


D = Deutschland; BL = Bundesländer; WZ = Wirtschaftszweige; RF = Rechtsform; ALT = Alter der Unternehmen; GrKl = Größenklassen, Besch = Beschäftigte

Daten zum Insolvenzgeschehen werden nur unregelmäßig aktualisiert.

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